[Archiv] Mai 2011 – Zeit zum Abschied nehmen


Heute hatte ich meinen letzten Tag an der FH. Nicht dass ich eine Vorlesung besucht hätte, das nicht. Aber ich hab eine Freundin getroffen, zu Mittag gegessen, das letzte Käffchen getrunken. 

Von zwei Lieblings-Profs wollte ich mich verabschieden. Zum Glück traf ich beide an. Vor allem beim Prof. S., der mich Europa-Recht lehrte, war mir wichtig.
Ich geh zu ihm hin und sag „Herr S., ich wollte mich noch verabschieden, morgen exmatrikuliere ich mich.“

Erzähl ihm von der Ausbildung, die ich am Montag anfange. Davon, dass das ganze Studium einfach keinen Sinn mehr gemacht hat. 

Er wünscht mir alles Gute, meint, dass ich es mit meiner Persönlichkeit auch ohne Studium weit bringen werde und dass ich so bleiben soll, wie ich bin.

Und während er sprach, wuchs der Kloß in meinem Hals auf Medizinball-Größe an. Von wegen, das geht mir leicht von der Hand. Dieses Studium schmeissen. Von wegen alles hinter mir lassen. Von wegen „dem weine ich keine Träne nach“. Von wegen, ich geh mit nem Picollo in der Hand ins Prüfungsamt.

Hach.

„Und danke dafür, dass Sie mein Interesse für Europa-Recht geweckt haben. Es hat mich interessiert und tut es immer noch.“

Soll er auch mal wissen. Dass es Studenten gab / gibt, die wirklich aus Spass an der Freude seine Vorlesung besucht haben.

Ich verabschiede mich, drehe mich um und ringe um Fassung. Tränen. Stimme stockt. Atmung stockt. Sage zu meiner Freundin: „Du glaubst grad gar nicht, wie ich mich beherrschen muss. Geb mir noch 2 Minuten, dann bin ich wieder ruhig.“
Noch ein Käffchen. Noch eine Runde durch die FH.
Prof B. kommt vorbei, mein Lieblings-Prof aus alten BWL-Zeiten. Auch ein kurzer Plausch. Ein paar nette Worte. Und „zusammen haben wir in Bayern immerhin das Rauchverbot durchgebracht.“ Ich lache und erinnere mich. Prof. B. und ich, wir haben das Volksbegehren und den anschließenden Volksentscheid massiv vorangetrieben. Mein Humor kehrt zurück und ich lache „immerhin ein Ziel, dass ich im BWL Studium erreicht habe.“

„Machen Sie es gut, A. Viel Erfolg für die Lehre“.

„Danke Prof. B.“

Noch Abschieds-Tiraden von der Freundin. Noch eine Umarmung. Noch ein Küsschen. Noch ein „Sag feil ja Montag, wies war!“

Ich gehe zum Parkplatz und merke: das war´s. Es fühlt sich immer noch richtig an, aber eine gewisse Sentimentalität kann ich nicht leugnen.
Die Exmatrikulation morgen. Das ist nur noch ein kleiner Papierkram. Der Abschied war heute.


Und er fiel mir schwerer als ich dachte.

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