Bloggen: Mehrwert oder Spaß?

Mehrwert

 

Wie mich der Druck nach Mehrwert fast den Blog gekostet hätte

 

Meinen allerersten Blog habe ich um 2010 herum gestartet. Es war ein für die Außenwelt bedeutungsloses kleines Tagebuch. Hier und da mal ein Gedanke, hier und da mal eine Rezenssion. Ich hatte keine 20 Leser und diese kamen zumeist aus meinem Familien- und Freundeskreis. Das Design war eine Katastrophe, SEO ein Fremdwort, meine Bilder hießen schon mal gern img_55354.jpg, ein sauberer Textfluss war nicht zu erkennen und vom sogenannten Mehrwert brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Kurz gesagt: Dafür, dass ich mich mit dem Thema „Bloggen“ seit vielleicht 7 oder 8 Jahren beschäftige, hatte ich die ersten 5 Jahren von Tuten und Blasen keine Ahnung.

Das hat sich mit „Wiktoria’s Life“ geändert. Ich wollte es besser machen: Selbst gehostet, ein ansprechendes Design, eine weitreichendere Leserschaft. Also habe ich angefangen zu lernen. Was zum Teufel ist dieses SEO? Wie erstellt man hochwertigen Content mit Mehrwert? Was sind sinnvolle Marketing-Strategien und welche davon passen zu mir? Bevor diesen Blog zum ersten mal jemand da draußen gesehen hat, habe ich Wochen harter Arbeit investiert.

Es hat funktioniert. Wenngleich mein Blog selbst zu den größten Stoßzeiten klein war, wurde er gelesen. Es hat echt Spaß gemacht. Euer Feedback und Eure Kommentare bestätigten mir jedes mal auf’s Neue, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich hatte richtig Freude am Bloggen. Dann kam das Leben und seine Tücken und der Blog geriet einfach in den Hintergrund. Ein Hobby, für das ich gegenwärtig keine Zeit mehr hatte.

Mit der #denkst17 hatte ich auf neue Inspiration gehofft. Die kam auch. Aber mit ihr auch der Druck.

 

Der Blog in der Existenzkrise

 

Seit der Elternbloggerkonferenz sind nun einige Wochen vergangen. Wochen, in denen ich mich immer wieder gefragt hatte, wie es mit meinem Blog weitergehen soll. Das Wort Mehrwert wurde nicht mehr zur Orientierung für mich, es wurde zum Damoklesschwert. Kann ich Euch überhaupt Mehrwert geben? Ist mein Blog am Ende nicht doch eine belanglose Ansammlung an Texten, die eigentlich wenig aussagen? Ich hatte ja schon im Vorfeld die Idee mit den Interviews, zum Beispiel dem mit einer Pflegemama. Das war toll und ihr habt es offentlichtlich gerne gelesen. Aber habe ich mich nicht mit fremden Geschichten geschmückt? Hatte ich überhaupt noch was zu erzählen, was über das private Tagebuch hinaus ging?

Ich versuchte, neue Wege zu erschließen. Meine wohl prägnanteste Idee war, mich vom Mama-Blog zu verabschieden und neu anzufangen. Wohl mit diesem Namen und Design aber mit neuen Farben, neuen Ansätzen und vor allem: neuen Themen. Ich hatte überlegt, über meine Vergangenheit als Depressive zum erzählen. Und obwohl ich mit dieser Idee lange schwanger war, zur Geburt kam es nicht und wird es auch nicht kommen. Zum einen will ich nicht so sehr in eine Nische drängen, zum andern würde das schon einen sehr tiefen Einblick in meine Seele gewähren. Und entscheide ich mich gegen diesen tiefen Einblick, so verlöre das Thema „Depressionen“ direkt seine Daseinsberechtigung. Ohne gnadenlose Ehrlichkeit funktioniert es meiner Meinung nach nicht. (Ich werde noch über meine Depressionen sprechen, aber ich will sie nicht zum alleinigen Aushängeschild machen.)

Ich war drauf und dran, den Blog komplett zu schließen. Mein Gedankenkarussell nahm mir meine eigene Existenzgrundlage.

Mehrwert

 

Wege aus der Krise

 

Wie ihr seht, habe ich meinen Blog nicht geschlossen. Dazu bedeutet mir „Wiktoria’s Life“ einfach zu viel. Ich habe aber für mich beschlossen, mich von der Idee vom perfekten Content mit Mehrwert zu verabschieden. Ich möchte wieder schreiben, weil ich Spaß am Bloggen habe. Ich versuche nun, den Mittelweg zwischen Professionalität und Spaß zu finden. Natürlich spielen SEO und all das weiterhin eine wichtige Rolle, aber diese Faktoren dürfen sich nicht lähmend auswirken. Das Hobby soll wieder im Vordergrund stehen, denn darum geht es den meisten Bloggern schließlich.

Ich bete Frauen wie meinesvenja an. Sie verkörpern wohl das, was viele von uns gerne irgendwann einmal wären. Aber das Ziel, größer und bekannter zu werden, darf nicht zum Stolperstein werden. Ich hatte in den letzten Wochen immer wieder Text-Ideen im Kopf, die ich aber wieder verworfen habe, weil sie meiner Meinung nach nicht genug Mehrwert gehabt hätten. Und dann kann ich es auch gleich ganz lassen, oder?

Mehrwert

Mehrwert ist nicht Mehrwert

 

Klar ist es schön und erstrebenswert, wenn die Leser wirklich etwas mitnehmen können. Aber wenn ich einfach nur Lust habe, eine tolle Geschichte oder ein paar Gedanken niederzuschreiben, dann sollte das Ziel eines tieferen Sinns vielleicht auch einfach mal zweitrangig sein. Denn verlöre ich dann nicht meine Authenzitität?

 

Der Pulitzer-Preis wird es nicht. Wahrscheinlich noch nicht mal ein Blumentopf.

 

Aber wenn ich mich wieder zurück zu dem besinne, womit „Wiktoria’s Life“ angefangen hat, dann habe ich meine Daseinsberechtigung zurück: Spaß am Schreiben, am Geschichten erzählen, am Austausch mit anderen Menschen. Und wenn dann noch Mehrwert dabei rum kommt, mit dem der Leser den Blog mit einem guten Gefühl verlässt – ja, dann habe ich allen Grund, weiterzumachen.

Alicja Wiktoria

2 Gedanken zu „Bloggen: Mehrwert oder Spaß?

  1. Muss es zwingend „Mehrwert“ sein? Ich krieg bei dem Wort schon das k*****

    Kann es nicht einfach mal ein Post aus dem Herzen sein? Ein Erlebnis, eine Geschichte, die Du erlebt hast, die Dich inspiriert hat?
    Muss der Blog dringend bekannter werden? Ginge es auch in kleinen Schritten?

    Wann hast Du begonnen festzustellen, dass Dein Blog dringend „Mehrwert“ braucht? War das Deine Idee?

    Ich blogge für mich und ein paar freundlich Interessierte. Den Druck „mehr“ zu machen, weil andere das wollen, sagen oder weil es IN ist – das gibt es bei mir nicht. Ich blogge seit 96, bin ein Urgestein des Internets. Und mir geht dieser Hype und diese Massenware an Blogs derart auf den Senkel… Mir fehlt das Herz dahinter. Da ist nämlich oft genug nur eine Kooperation mit Firmen und daraus entsteht ein Blogartikel. Das ist nichts authentisches dran. Gar nichts!

    Schreib bitte weiter aus Deinem Innersten – ohne den Gedanken, dass 1000 Leute lesen müssen und Kreise zieht. Das macht nämlich Dich und Deinen Blog aus!

  2. Ich bin sehr froh, dass du deinen Blog nicht aufgibst. Ich lese deine Texte sehr gern und ich würde auch in Zukunft noch gerne viel von dir und deiner Gedankenwelt lesen.

    Ob ich dabei immer einen Mehrwert bekommt, ist für mich zweitrangig. Denn ich möchte in erster Linie neues Erfahren und auch unterhalten werden. Neue Dinge oder neue Gedanken oder neue Lesetipps. Ganz egal. Hauptsache, du bist authentisch und ehrlich. Und wenn dir das Schreiben Spaß macht, dann machst du alles richtig und das merken auch die Leser. Ob 100 oder 1000 ist dabei doch erst mal egal. Solange Spaß und Freude dabei ist, hast du schon gewonnen.

    LG Anke

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