Blogparade Hafenstädte: Trójmiasto (Gdańsk, Sopot, Gdynia) in Polen

Lynn Benda von http://lieschenradieschen-reist.com hat zur Blogparade aufgerufen. Thema sind Hafenstädte. Direkt vom Thema angesprochen habe ich beschlossen dieses Thema aufzugreifen und an meiner ersten Blogparde teilzunehmen.

So nutze ich die Gelegenheit um Euch von einem der schönsten Orte der Welt zu erzählen. Von der

Dreistadt

~ ~ Gdańsk ~ Gdynia ~ Sopot  ~ ~

an der polnischen Küste. Da mein Papa in Danzig geboren wurde und ich als Kind sehr viel Zeit dort verbracht habe war es für mich klar, dass ich nur darüber bloggen kann.

Quelle: Google Maps

In Polen werden die drei Städte nur dann als solche namentlich benannt wenn es eine Rolle spielt, in welche der drei Städte es genau geht. Ansonsten spricht der Pole einfach nur von „Trójmiasto“ (trój – drei und miasto – Stadt). Die Städte sind so miteinander verwachsen dass man es nur anhand von kleinen Ortschildern irgendwann an der Straße kommend merkt dass man von der einen in die andere wechselt.

Ich möchte Euch die einzelnen Städte gerne kurz vorstellen. Beginnen wir auf der Karte „von unten nach oben“, mit der wichtigsten und größten Stadt, nämlich Danzig.

Gdańsk

Blick auf den Zuraw, den Kran in Danzig am Fluss Motlawa

 

Westerplatte

Am ehesten kennt man Danzig als die Stadt, in der am 1. September 1939 an der Westerplatte der Zweite Weltkrieg begann. Auf der Westerplatte findet man bis heute noch Überreste der dortige Kasernen sowie ein Denkmal.

Während des Krieges wurde die komplette historische Altstadt zerstört. Die Polen bauten die Altstadt Stein für Stein wieder auf, bis in den 70er Jahren der historische Kern wieder sein ursprüngliches Aussehen zurück erlangt hat. Die Danziger Altstadt zählt zu den schönsten und eindrucksvollsten des Landes (neben Krakau, Warschau und Breslau).

Ebenfalls in Danzig begann die Bewegung, die langfristig zum Fall der Mauer bzw. der Wende im Ostblock führte. Die Gewerkschaft entstand aus Streik der Arbeiter in der Danziger Werft heraus. Der spätere polnische Präsident Lech Wałęsa wurde Vorsitzender. Was als Streik begann wurde schnell zur größten regimekritischen Bewegung des Landes, welche viel Unterstützung quer durch alle Gesellschaftsschichten erhielt. Auch der polnische Papst Johannes Paul II. unterstützte die Bewegung.

Doch was macht den Zauber dieser Stadt aus? Danzig ist einfach alles: historisch und modern, locker und traditionsbewusst. Neben historischen Gebäuden finden sich schon mal mitten in der Stadt topmoderne Einkaufszentren. Wer in Danzig ist sollte unbedingt in eine der vielen Milchbars gehen (zum Beispiel der Neptun Bar am Dlugi Targ – nirgendwo sonst bekommt man so gutes polnisches Essen wie von Oma gekocht – nämlich weil es die polnische Oma gekocht hat!)

Aber lassen wir doch ein paar Fotos sprechen:

Dies ist der Hauptbahnhof der Stadt. Eine historisch einmalig schöne Perle. Bisher habe ich nirgendwo anders einen vergleichbaren Bahnhof gesehen.

Hier ist die Baltische Philharmonie zu sehen.

Dieser Anblick ist der Grund warum ich Danzig so liebe. Laufe ich abends durch die Fußgängerzone ulica Dluga / Dlugi Targ (auf deutsch: lange Straße bzw. langer Markt) spüre ich das Leben. Die polnische Art. Die Lichter. Die tiefe Entspannung wenn ich hier bin. Die vorhin erwähnte Neptunbar ist hier klein rechts zu sehen. Es sind viele Cafés, polnische und internationale Restaurants zu finden. Einiges an Kunsthandwerk. Straßenmusiker. Das pure Leben eben!

Verlässt man am Ende des Dlugi Targ die Fußgängerzone und dreht sich um erblickt man die „Zielona Brama“ – das Grüne Tor (einst Stadttor, heute beheimatet es Teile des Nationalmuseums).

Ebenfalls am Dlugi Targ steht der Neptun Brunnen, ein weiteres Wahrzeichen der Stadt.

 

Foto von pixabay / Barni1

Die Marienkirche ist eine der größten Backsteinkirchen Europas und zählt mit einer Kapazität für bis zu 25.000 Besucher als eines der größten Gotteshäuser der Welt. Man kann auf den Turm klettern – sollte allerdings Kondition und keine Höhenangst haben. Zuletzt war ich im im Mai 2014 oben, in der 9. Woche schwanger (wieder unten habe ich es meiner in Danzig lebenden Familie gesagt, dass ich schwanger bin, hätte ich es vorher gesagt hätten die mich nie hinauf gelassen). Der Aufstieg ist recht mühsam doch man wird mit einem Blick über die ganze Stadt belohnt der alle Strapazen vergessen lässt.

 

Sopot
Nach meinem Loblied auf Danzig fahren wir die Straße, die alle drei Städte verbindet, nämlich die ul. Grunwaldzka weiter nach Sopot.

Sopot ist bekannt für die weltweit längste aus Holz bestehende Seebrücke („Molo“) die der Welt, diese ist 511,5 Meter lang.

Sopot ist der Kurort schlechthin. Vergleichbar vielleicht mit St. Peter Ording in Deutschland. Sopot ist jung, laut, modern, hip – und krachteuer. Man kann hier eine prima Zeit verleben, vor allem seitdem das Zentrum des Kurortes saniert wurde. Allerdings sollte man besser nicht in Sopot übernachten, es sei denn man weiß so gar nicht wohin mit seinem Geld. Es ist übrigends kein Problem sich zwischen den drei Städten zu bewegen. Die SKM ist eine kleine Bummelbahn die für ganz wenig Geld im Minutentakt zwischen den Städten hin und her fährt.

Gdynia
Ursprünglich sollte sich dieser Blogpost nur um Gdynia handeln. Aber man kann nicht von Gdynia schreiben ohne ihre Schwesterstädte zu erwähnen. Gdynia ist… toll! Und jung! Gdynia erhielt erst 1926 das Stadtrecht.

Wer richtig richtig guten Fisch essen will, sollte unbedingt nach Gdynia an den Skwer Kościuszki gehen. Überhaupt, der Skwer! Das ist als würde jemand den Einschaltknopf für den Urlaubsmodus in mir drücken. Es ist eine lange Promenade am Hafen der Stadt. Hier findet man unzählige Fischrestaurants, Souvernirbuden und natürlich auch: Schiffe.  Direkt neben dem Skwer liegt der Strand (von dem ich zu meiner großen Überraschung keine Fotos habe). Am Strand steht auch das Musische Theater (hier habe ich einmal das Musica „Hair“ gesehen – und war im Anschluss am Strand in einer Bar, das war so einmalig!) 

An diesem schönen Springbrunnen beginnt der Skwer sozusagen.

Dieses Schiff heißt „Dar Pomorza“ (auf Deutsch: Geschenk Pommerns). Es hat einige Runden um die Welt gedreht. Seit etlichen Jahren steht es nun als Museumsschiff im Hafen. Ich kann nicht sagen wie oft ich als Kind drauf war. Und es war immer wieder schön!

Die ORP Błyskawica war ein polnischer Zerstörer während des Zweiten Weltkrieges. Seit den 70er Jahren ist es in Gdynia ein Museumsschiff.









 

Die Spitze des Skwer.

 

Etwas abseits vom Zentrum Gdynias findet man den Klif Orłowski im Stadtteil Orłowo (klif = Klippe). Entlang der Seebrücke spazierend kann man einen wundervollen Ausblick auf die Klippe genießen)

Noch ein paar Gedanken:
Die Dreistadt ist defintiv einen Besuch wert. Wer mehr wissen will – schreibt mir! Ich könnte stundenlang erzählen (was man auch an der Länge dieses Blogposts sehen kann).  Mein Mann macht sich über mich lustig dass ich mich im kleinen Heimatkaff verlaufe aber in Dreistadt blind alles finde. Wie kann sich ein blindes Huhn auf dem Weg zum Bäcker 5 mal verlaufen – in einem 6000 Seelen Dorf – und sich gleichzeitig in diesem unübersichtlichen Tumult aus Straßen in Trójmiasto zurecht finden? Naturtalent würde ich sagen 🙂

Eine persönliche Geschichte habe ich auch noch. Eine lustige Geschichte, wer also etwas zum Schmunzeln haben will wird belohnt bis hierhin durchgehalten zu haben. Ich war nämlich anno dazumal der Meinung meinen Führerschein in Polen in einem Ferienkurs zu machen Also war ich zwei Wochen in Danzig, habe bei Verwandten gewohnt und habe im Grunde nichts anderes gemacht als Auto zu fahren und Theorie zu lernen. Am Ende der anstrengenden Wochen kam dann das große Finale: die Prüfung! Dazu muss man wissen dass es damals in Polen einen Manövrier-Platz gab den man zur Prüfung absolvieren musste (natürlich wurde der vorher geübt). Unter anderem musste man zwischen Hütchen eine sehr enge Rechtskurve vorwärts fahren und rückwärts zurück. Ohne die Hütchen zu verschieben. Blut und Wasser schwitzend habe ich das geschafft. Erst nachdem das erledigt war durfte man mit den Prüfer auf die Straße. Leider hat man während der Fahrprüfung ein anderes Auto als während des Lernens (aber immerhin das gleiche Modell). Während ich im Lernauto die Kupplung durchdrücken musste damit sie überhaupt reagiert hat sprang die vom Prüfungsauto vom Hinsehen an. So kam es, dass ich ganze 7 mal das Auto habe verrecken lassen. Die letzten drei mal davon auf den S-Bahn Schienen. Zum Glück kam grad keine Bahn… natürlich war damit die Prüfung vorbei und ich fix und fertig mit den Nerven.

Ich beschloss einige Tage länger zu bleiben und den nächsten Termin zur Wiederholung zu nutzen. Leider scheiterte ich da bereits am Manövrier Platz in dieser blöden Kurve… Also fuhr ich nach 3 Wochen OHNE Führerschein nach Deutschland…
Zwei Monate später beschloss ich nochmal nach Danzig zu fahren, für den dritten Anlauf. Ich buchte einen Flug von Frankfurt Hahn (immerhin der erste Flug alleine in meinem Leben), brauchte 6 Stunden nur um zum Flughafen zu kommen. Kam in Danzig an, nahm noch zwei Fahrstunden, trat zur Prüfung an und.. scheiterte wieder am Manövrier-Platz!! Mit eingezogenem Kopf, verlorenen Stolz und viel in den Sand gesetzten Geld kehrte ich zurück nach Hause….

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen dass ich den Führerschein in Deutschland beim mit null Fehlerpunkten und beim ersten Anlauf bestanden habe!

So, nach dieser kurzen Geschichte kommen wir zum Ursprung des Themas: der BLOGPARADE! Habt ihr auch Lust zum Thema „Hafenstädte“ zu schreiben? Dann hängt Euch bei http://lieschenradieschen-reist.com/hafenstaedte/#more-2855 an und erzählt etwas über „Eure“ Hafenstadt! Ich freue mich von Euch zu lesen!

Viele sehnsuchtsvolle Grüße!

 

1 Comment

[…] gefreut habe ich mich auch über den schönen Beitrag von Wiktoria von Wiktoria´s Leben über „die Dreistadt Gdansk, Gdynia und Sopot“. Wenn ich diesen Sommer ins Baltikum fahre, werde ich sicherlich über Polens Küste reinfahren, […]

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