[Blogparade] Nur Hausfrau?

Hausfrau. Für viele klingt das nach Shoppen, Maniküre und einer Affaire mit dem Gärtner. Aber ist das so? Was ist der Stellenwert einer Hausfrau heutzutage? Was heißt es, Hausfrau zu sein? Und, darf man es überhaupt noch sein? Diese Fragen stellt uns Sonja von Sonjas besondere Welt im Rahmen ihrer Blogparade. Zeit, ein paar Antworten zu suchen.

Was ist die Haufrau?

Der Duden sagt, die Haufrau ist die „den Haushalt führende (Ehe-)frau.“ (Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/Hausfrau)

Wikipedia konkretisiert weiter: „Als Hausfrau wird eine Frau bezeichnet, die sich vorrangig der Haus- und Familienarbeit widmet und in der Regel keiner oder nur geringfügiger Lohnarbeit nachgeht.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hausfrau).

Die Hausfrau geht also nicht oder nur geringfügig arbeiten und schmeisst zu Hause den Laden. Die Zahl der Hausfrauen geht in den letzten Jahren deutlich zurück. War es für unsere Großmütter noch nahezu selbstverständlich, sich der Familie zu widmen, waren es im Jahr 2011 nur noch 28 % der Frauen, die sich für die Rolle der Hausfrau entschieden.(Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/immer-weniger-frauen-werden-hausfrau-a-872694.html) Heutzutage ist es für die meisten Frauen auch nur eine Station in ihrem Lebenslauf. Sei es, weil sie eine offizielle Elternzeit von bis zu 3 Jahren nehmen oder sich bewusst für einige Jahre aus dem Beruf zurückziehen, um für die Kinder dazuzsein. Die meisten Frauen wollen jedoch irgendwann wieder arbeiten gehen.

Hausfrau

Was macht die Hausfrau denn überhaupt?

Klar gehen wir Shoppen. DM und andere Drogerieen verdienen sich eine goldene Nase an uns. Wir shoppen Windeln, Wattepads, Schnuller, etc. Kleidung für uns? Schnell im Versandhandel bestellt, für sowas ist keine Zeit und keine Lust.
Maniküre? Ich gehe einmal im Monat ins Nagelstudio. Das muss. Da bin ich nicht verhandelbar.
Affaire mit dem Gärtner? Habe ich auch. Nur ist mein Gärtner mein eigener Ehemann.

Hausfrau ist ein Knochenjob. Wir räumen die Küche auf, wir wickeln, wir kochen, wir spielen, wir räumen wieder auf. Wir führen Kämpfe um den Mittags- und den Abendschlaf. Wir waschen und wischen. Saugen und räumen die Tupperschränke wieder ein. Wir können nichts selbst fertig essen, weil immer jemand was davon haben will. Wir essen Schokolade heimlich auf dem Klo. Und wenn wir nachts völlig fertig im Bett liegen, werden wir oft genug noch geweckt.

Ich hatte viele Jobs in meinem Leben. Ich habe auch schon mal vor Stress heimlich geweint. Aber ehrlich, so anstrengend, wie es mit einem Baby und vor allem einem Kleinkind ist, so hart war es nie.

Auszeiten? Feierabend? Müssen organisiert werden. Wie oft kann man die Omas um Hilfe bitten, ohne aufdringlich zu wirken? Traut man sich, das Kind mal einer Freundin unterzuschieben? Und wenn wir krank sind? Dann geht die Show weiter, gedopt mit Schmerzmitteln und Medikamenten.

Und dann sind da diese kleinen Momente, vor allem von Kinderlosen: oh, Du bist ja nur daheim. Hast Du es gut?
Weißte was, wir tauschen. Für eine Woche. Ich gehe ins Büro und mache Deinen Job, Du meinen. Danach reden wir neu.

Es ist kein Herumweinen. Es ist auch kein Bedauern. Es ist nur eine nüchterne Feststellung der Tatsachen. Tatsachen, die viele nicht kennen. Oftmals noch nicht mal der eigene Ehemann.

Meine Situation

Nachdem mein befristeter Vertrag im Jahr 2014 ausgelaufen ist, überliesen wir dem Schicksal die weitere Entscheidung: Job oder Kind. Ich bewarb mich weiter, gleichzeitig versuchten wir den Kinderwunsch umzusetzen. Nach nur drei Monaten war die Entscheidung getroffen: wir würden im Dezember 2014 Eltern werden und ich würde zu Hause bleiben.

Bei aller Freude über die Schwangerschaft, der Schatten „jetzt bist Du erstmal Hausfrau“ blieb eine ganze Weile. Denn dies war genau die Rolle, die ich niemals voll übernehmen wollte. Ich bin jetzt nicht der straighte Karrieretyp, aber nur das Heimchem am Herd? Auch keine echte Option. Dennoch stand es mit der Schwangerschaft erstmal fest.

Ich bin jetzt seit über knapp zwei Jahren zu Hause. Ich hatte das Privileg, die Schwangerschaft im Garten in Ruhe genießen zu dürfen. Da habe ich keinem Job der Welt nachgeweint. Und auch die erste Babyzeit war hinreissend. Zu wissen, dass ich alle Zeit der Welt habe, dass kein Chef auf mich wartet – das war schon toll.

Nach ungefähr einem Jahr kam der Hausfrauen-Koller. Immer nur Wäsche, immer nur kochen, wischen, saugen. Mir hing und hängt es zum Hals hinaus. Zumal ich als Hausfrau keine besonders gute Figur abgebe. Es gibt Tage, da würde ich mit Euch nur durch Haustelefon sprechen und Euch mit fadenscheinigen Ausreden nicht ins Haus lassen. Aber meistens klappt der Haushalt ganz gut. Wir haben noch immer was zu essen gehabt und frische Socken gibt es auch immer. Auch wenn man Haushalt oft genug nach dem Prinzip des puren Überlebens läuft – er läuft. Erfüllend ist das nicht.

Ich begann, mir Fragen zu stellen. Zum ersten mal in meinem Leben hatte ich wirklich Zeit,nachzudenken, was ich werden will, wenn ich groß bin. Habe ich früher oft Entscheidungen dieser Art auf die Schnelle getroffen, konnte ich jetzt in Ruhe in mich gehen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits meinen Blog und merkte, wie sehr ich das Schreiben liebe. Wie viel es mir gibt. Wie es mich erfüllt. Es kostete mich Mut, aber ich entschied mich, freiberufliche Texterin zu werden. Noch mehr Mut kostete es mich, es meinem Umfeld zu sagen. Ich bin bekannt für meine Schnapsideen und ich hatte wirklich Sorge, meine Freunde und Familien würden mit einem Augenrollen reagieren. Zu meiner großen Überraschung war das Gegenteil der Fall. Bis auf eine einzige Freundin, die wirklich mit den Augen gerollt hat, bekam ich nur positives Feedback. Besser noch, meine Mutter meinte seufzend „na endlich!“ – Die Wahrheit ist, dass ich seit meiner Teenagerzeit vom Schreiben träume. Aber mir nie ein Herz fassen konnte, es zu meinem Beruf zu machen.

Seit drei Wochen widme ich mich jetzt der Schreiberei. Auch wenn es bedeutet, dass ich es nur nach 21 Uhr machen kann, wenn Madame schläft. Es ist eine neue Belastung dazugekommen. Aber es ist genau richtig so.

Hausfrau bin ich weiterhin. Und ich mag es weiterhin nicht. Aber ich bin es nicht mehr ausschließlich. Im Endeffekt waren die letzten zwei Jahre eine Zeit der Selbstfindung. Auch wenn ich jemanden gefunden habe, den ich schon lange kenne aber vergessen habe.

Sonja will noch wissen, ob ich glücklich bin: jetzt ja. Jetzt, wo ich noch eine andere Aufgabe habe, fühle ich mich vollständig. Neben dem Schreiben, war der Traum von der Selbstständigkeit mein zweiter großer Wunsch. Diesen habe ich mir endlich erfüllt.

Kann man heutzutage noch Hausfrau sein?

Klar kann man, aber es ist eine Entscheidung, die jede für sich selbst treffen muss. Kann man sich das finanziell leisten? Will man es überhaupt? Ich habe einige Freundinnen, die total drin aufgehen. Und auch einige, die ganz glücklich in den Job zurück gekehrt sind. Beides ist okay. So lange es für die Familie selbst okay ist.

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