Das Leben als zweifache Mama

Auf einmal sind wir zu viert

„Wie ist das Leben mit zwei kleinen Kindern?“ – das werde ich zur Zeit ich oft gefragt, vor allem von den Mamas mit einem Kind.

In den ersten Lebenswochen der Mini habe ich immer geantwortet: „Leichter als erwartet, die Große hat viel Verständnis und die Mini schläft ganz viel.“

Heute wäre meine Antwort eine etwas andere…

Die Reise beginnt lange vorher

Unsere Ladies haben einen Altersabstand von 3 Jahren und 9 Monaten. Das ist für uns ist genau richtig. Die Große hat sehr an der Schwangerschaft anteil genommen und mitgefiebert. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie lange 9 Monate für eine 3-jährige sind! Noch viel viel länger, als für die Schwangere. Sie hat fast täglich gefragt, wann das Baby kommt.

Sie hat ihre kleine Schwester von Anfang an geliebt

Der kleine Bauchbewohner und sie hatten von Anfang an eine sehr enge Bindung. Ich konnte die Freude im Bauch spüren, wenn die Stimme der Großen zu hören war.

Sie wollte unbedingt eine Schwester haben. So sehr, dass sie sogar mit ihrer Hand beim Frauenarzt angerufen hat, um ein Mädchen zu bestellen!

Die Schwangerschaft hat die Große selbstständiger gemacht. Gerade zum Ende hin, als ich mehr Kugel als Mensch war, musste sie sich einfach öfters alleine anziehen und selbstständiger aufräumen, als vorher. Ich kam nun mal nicht mehr so gut runter. Das Alter hat ihr Verständnis dafür geschärft, auch wenn sie nicht immer glücklich damit war.

Sie hat es geliebt, den Bauch zu streicheln und hat sich wie eine Schneekönigin darüber gefreut, wenn sie mal einen Tritt gespürt hat. Unzählige Küsse sind auf dem Babybauch gelandet.

Das Baby ist da


Das erste Kennenlernen

Und dann kam der große Tag, das Baby war da! Beim ersten Kontakt war sie die Große sehr respektvoll und zurückhaltend.

Sie hat sich riesig über ihre kleine Schwester gefreut, war aber lieber etwas vorsichtiger. Das hatte ich ihr am Anfang tatsächlich nicht zugetraut.

Die erste Begegnung der Mädchen war magisch. Ein Moment für die Familienchronik. Ich war voll von Glück und Stolz und Liebe! Wir haben es alle gefühlt: jetzt sind wir vollständig.

Die Anfangsphase mit Baby und Kleinkind

Wie anfangs erwähnt – zu Beginn war es wirklich easy. Die Mini ist ein tiefenentspanntes Baby mit einem gesunden Verhältnis zum Schlaf. Ganz anders als die Große, die Schlafen schon als Neugeborene für vollkommen überbewertet hielt. Das hat uns den Start zu viert sehr erleichtert – auch wenn die Große erstmal lernen musste, dass man schlafende Babies niemals weckt, schon gar nicht, wenn das Abendessen fertig ist und Mama sich auf eine ruhige Mahlzeit freut. Denn am Ende essen alle… außer der Mama.

Dieses mal ist mein Mann einen Monat zu Hause geblieben. Ich war so dankbar dafür! Durch den erneuten Kaiserschnitt war ich am Anfang sehr eingeschränkt und dankbar für jede Hilfe. Außerdem hat er sich sehr um die Große gekümmert, so dass sie fast keine Enttrohnung gespürt hat. Hoffe ich zumindest.

Die Wochen vergehen…

… und die Mini wird wacher und aufgeweckter. Zum Glück hat sich ihr Schlafverhalten nicht wirklich verändert. Drei zuverlässige Schläfchen am Tag und ein bis zwei Meldungen pro Nacht – welch Luxus!
Aber: mit jeder neuen Woche, mit jedem Sprung fordert sie auch mehr Aufmerksamkeit und Bespaßung. Das “Baby-Koma”, wie ich die erste Zeit gerne nannte, war mit ca. drei Monaten endgültig vorbei. Sie will was erleben, Spaß haben, mittendrin statt nur dabei sein.

Und ab da hat mich der Alltag deutlich mehr gefordert.

Die Große ist täglich bis etwa 14 / 15 Uhr im Kindergarten. Dadurch komme ich gut durch die Woche. Haushalt, Spaziergänge, Baby-Zeit und sogar hin und wieder etwas Sport – all das klappt mehr oder weniger gut. Kommt die Große nach Hause, fängt die Party an. Jeden Nachmittag merke ich, dass mir eigentlich ein zweiter Kopf und mindestens drei weitere Hände fehlen.

Nach einigen Stunden im Kindergarten will die Große natürlich auch ihre Mama-Zeit haben – und auch ich freue mich sehr auf mein Kind und möchte ihr so viel Aufmerksamkeit wie möglich zukommen lassen.

Spielen, Basteln, Malen, Vorlesen, Stillen, Wickeln, Baby bespaßen – alles gleichzeitig. Da raucht schon mal ganz gerne der kopfinterne Arbeitsspeicher ab. Ich gebe ehrlich zu: die drei Stunden am Nachmittag sind echt nicht ohne. Wenn mein Mann nach Hause kommt, schaue ich aus wie vom Cast aus „The Walking Dead“.

Leben als zweifache Mama - Wiktorias Life - müde
Abends ist die Couch mein bester Freund

Ich habe nie viel fern gesehen – zur Zeit hänge ich halb komatös vor der Glotze und hoffe, mich nicht mehr allzu sehr bewegen zu müssen. Ich wollte in der Babyzeit ganz viel lesen – dafür reicht es meistens von der Power her einfach nicht. Meistens lese ich beim Stillen nebenbei ein paar Seiten im ebook Reader. Abends entspannt ein gutes Buch lesen? Vergesst es.

Lohnt es sich, die große Schwester zu sein oder fahre ich als Baby besser?

Hinzu kommt dieser ständige Wechsel aus Autonomie – und Babyphase bei der Großen. Auf der einen Seite will sie alles selbst machen, was einerseits toll und stark ist, auf der anderen Seite aber unheimlich aufhält und mühsam ist. Ich liebe diese Phase, die zum Glück die meiste Zeit anhält. Dann aber wechselt sie immer wieder in die Babyphase. Dann kann sie nicht mehr alleine auf Toilette gehen. Nicht mehr alleine die Treppen hochlaufen. Sich nicht mehr alleine anziehen.

Ich kann es ihr nicht verdenken, sie merkt, dass die Mini die ultimative Aufmerksamkeit bekommt und eifert dem nach. Für mich als Mama sind das aber die schwierigsten Momente. Damit raubt sie mir nämlich die letzten Prozent Freiraum. Dann fühlt es sich an, als hätte ich zwei Säuglinge zu versorgen. Und ganz ehrlich: wenn man weiß, dass die Große es könnte aber gerade einfach nicht will… ja, das kann ganz schön nervig sein.

Man kann nicht beiden Kindern gerecht werden

Es geht einfach nicht. Natürlich versuche ich, so viel Zeit und Aufmerksamkeit wie nur irgendwie möglich der Großen zu geben. Sie soll durch die kleine Schwester nicht allzu sehr vernachlässigt werden. Gleichzeitig muss sie viel Verständnis aufbringen, denn die Mini braucht mich nun mal zu 100 %. Die Große kann altersbedingt da schon eher ein paar Abstriche machen. Es ist eine ewige Zerreißprobe. Hier bin ich wieder für den Altersabstand sehr dankbar.

Leben als zweifache Mama - Wiktorias Life - Schwestern
Meine kleine, große Helferin

Auch wenn zwei kleine Kinder kein Sonntagsspaziergang sind – ich liebe meine Mädchen abgöttisch und bin glücklich mit dem Leben, wie es ist.

Die Liebe der Schwestern zueinander ist großartig. Die Große wartet geduldig darauf, dass die Mini endlich alt genug ist, um mit ihr zu spielen. Und währenddessen bespaßt sie sie mit Rasseln oder zeigt ihr Bilderbücher. Sie ist wirklich die perfekte große Schwester.

Alles richtig gemacht

Unsere Entscheidung, in dem Abstand ein zweites Kind zu bekommen, war genau richtig.

Die Mini ist ein Anfängerbaby. Das macht alles natürlich viel leichter. Wieder ein Kind, dass ein Jahr nicht schläft, wäre eine echte Herausforderung geworden.

Der Alltag ist anstrengend. Es geht so oft drunter und drüber und man hofft, es einfach nur irgendwie gebacken zu bekommen. Und dennoch möchte ich es nicht mehr anders haben.

Ich freue mich auf alles, was mit meinen zwei Mädchen noch kommt.

Alicja Wiktoria

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