Unsere Krippen Eingewöhnung – am Berliner Modell

Eingewöhnung Krippe

Der Februar stand in unserer Familie ganz im Zeichen der Eingewöhnung in die Krippe. Nachdem ich ja schon auf Mutter-Kind-Kur gemerkt habe, wie meine süße Maus aufgeblüht ist, konnte ich es den Start kaum erwarten.

Das erste Kennenlernen

Schon vor einem Jahr war ich kurz in der Krippe, um unsere Tochter anzumelden. Als Mama habe ich mir schon da so meine Gedanken gemacht, wie die Eingewöhnung wohl werden würde. Ich erfuhr, dass die Krippen Eingewöhnung nach dem „Berliner Modell“ erfolgen würde, also eine elternbegleitete Eingewöhnung sei. Wie das genau aussehen würde, sollte ich gut 11 Monate später erfahren.

Eingewöhnung Krippe

 

Die Zusammenarbeit begann schon Mitte Januar mit einem ausführlichen Aufnahmegespräch. Dort wurde ich zur Ernährung, den Schlafgewohnheiten, Spielerfahrungen und ggf. bereits erfolgter Fremdbetreuung befragt. Das Aufnahmegespräch dient dazu, dass die Erzieher schon vor dem ersten Krippentag wissen, wie das Kind tickt. Nimmt es einen Schnuller? Hat es seine liebsten Kuscheltiere? Wie isst es? Isst es etwas gar nicht? Alles Infos, die den Erzieherinnen helfen sollen, dem Kind einen gelungenen Start zu ermöglichen.

Der Beginn der Eingewöhnung

Die Grundphase dauert in der Regel drei Tage. In diesen drei Tagen wird das Kind von den Eltern komplett in der Einrichtung begleitet. Bei uns sah das konkret so aus, dass wir die ersten beiden Tage am Nachmittag für je eine Stunde gekommen sind. Der Nachmittag hat den Vorteil, dass viele Kinder schon abgeholt wurden und es für die „Neuen“ nicht so viele neue Gesichter und Eindrücke sind. Neben unserer Tochter wurde noch ein 11 Monate alter Junge eingewöhnt.

Wir Mamas bekamen Stühle am Rand und sollten beobachten. Wir durften uns den Kindern zuwenden, sofern diese zu uns kamen, aber im großen und ganzen sollten wir uns im Hintergrund halten.

Meine Schnecke hat sich nach ein paar Minuten von meinem Oberschenkel weggetraut und ging schnurstracks zur Rutsche. Natürlich ihr Peppa Wutz Stofftier fest im Arm haltend. Ihre Eingewöhnungserzieherin war stets in ihrer Nähe, bedrängte sie aber nicht. Die Kleine rief ein paar mal nach mir, aber ich verwies sie auf die Erzieherin, die jetzt doch viel besser mit ihr spielen könne. Zu meiner Überraschung war sie mit der Alternative direkt einverstanden.

Am dritten Tag kamen wir am Vormittag und blieben zwei Stunden dort. Wir Mamas erlebten den morgendlichen Ablauf mit Morgenkreis, Brotzeit und Morgentoilette. Die Mama des kleinen Jungen war beim Wickeln noch dabei, meine Tochter lies dies auch ohne meine Beteiligung zu.

Das Berliner Modell sieht vor, ab dem vierten Tag die ersten Trennungsversuche zu starten. Da unser Tag vier aber auf einen Montag fiel, fingen wir mit den Trennungen erst am fünften Tag an.

Die Stabilisierungsphase

Am ersten Trennungstag waren wir zuerst noch mit den Kindern im Raum, als diese aber spielten gingen wir kurz hin und verabschiedeten uns. Wir Mamas nahmen im hauseigenen Elterncafé Platz. Jede von uns hat noch einen persönlichen Gegenstand auf dem Stuhl gelassen, bei mir war es mein Schal. So wussten die Kinder, dass die Mamas noch kommen würden, um den Gegenstand zu holen. Außerdem hatten sie so etwas Vertrautes im Raum.

Für die erst Trennung war eine halbe Stunde vereinbart, tatsächlich wurden wir aber erst nach 45 Minuten geholt. Unsere beiden Kinder haben ganz toll gespielt und haben uns gar nicht gebraucht. Wir Mamas waren erleichtert – auch wenn bei den Kids wohl die Faszination des Neuen überwog. Wir besprachen jeden Tag individuell, wie es morgen weiter gehen sollte. Aber weil die Kinder das so gut meisterten, haben wir am zweiten Trennungstag direkt auf 1,5 Stunden erhöht, am dritten schon auf 2 Stunden. Es klappte einwandfrei. Wir waren begeistert.

Eingewöhnung Krippe

 

Es hätte natürlich auch ganz anders kommen können. Aus diesem Grund werden die Trennungsphasen direkt auf die Kinder abgestimmt. Und so entscheiden ganz alleine die Zwerge, wie lange die Eingewöhnung dauert. Die Erzieherinnen sprachen aber von einem Schnitt von in etwa vier Wochen. Die Kinder müssen in dieser Zeit Vertrauen zu den Betreuungspersonen aufbauen – je nach Kind dauert das eben seine Zeit.

Meine Kleine war in der Hinsicht eher pflegeleicht. Was allerdings auffällig war: während der gesamten Stabilisierungsphase hing sie morgens an mir und hat zwischen 5 und 20 Minuten gebraucht, um sich überhaupt von mir zu lösen. So entschieden wir, die Stabilisierungsphase um eine weitere Woche zu verlängern. Ich brachte sie in die Krippe, wartete, bis sie von sich aus zu den Kindern gegangen ist und verabschiedete mich. Da wir nur wenige Gehminuten von der Krippe entfernt wohnen, ging ich nach Hause. Das Handy natürlich immer griffbereit. In der Zeit erhöhten wir schrittweise auf 4 Stunden, so dass die Maus von 8 bis 12 Uhr in der Krippe blieb und zwischenzeitlich auch beim gemeinsamen Mittagessen ankam.

An einem Tag musste ich sie tatsächlich frühzeitig abholen. An diesem Tag habe ich schon aber morgens gemerkt, dass das schief gehen wird. Sie weinte, wollte nicht „zu den Kindern“ (denn so nennen wir die Krippe ihr gegenüber). Der Abschied in der Krippe war tränenreich und schmerzhaft. Und so kam wie es kommen musste: die Erzieherin rief nach einer Stunde an, es ginge nicht mehr. Die Kleine lies sich nicht mehr trösten oder ablenken. Sie rief nur noch nach der Mama. Als ich kam, war sie sichtlich erleichtert. Wir empfanden diesen Tag jedoch nicht als Rückschritt; es war Montag und sie hatte einfach einen schlechten Tag.

Nach gut zwei Wochen konnte sich meine Kleine schon an der Tür von mir verabschieden; sie hatte inzwischen eine stabile Bindung zu „ihrer“ Erzieherin aufgebaut und freut sich auf die Kinder.

Die Schlussphase

Das Ende der Stabilisierungsphase und der Beginn der Schlussphase ging bei uns Hand in Hand. Durch die Nähe zur Krippe konnte ich eben schon während der zweiten Phase nach Hause gehen. In der Schlussphase, nach gut drei Wochen Eingewöhnung, fingen die Erzieherinnen an, sie zum Schlafen zu bringen. Im Aufnahmegespräch hatte ich sie mit den Ritualen vertraut gemacht, auf die auch komplett Rücksicht genommen wurde. Da zwischen 12 und 14 Uhr Ruhezeit in der Krippe ist, erhöhten wir die Zeit in der Betreuung schlagartig um weitere 2 Stunden. Meiner Tochter machte dies aber überhaupt nichts aus – sie schlief vom ersten Tag an dort, wenn auch anfangs unter etwas Protest. Die zwei Stunden Ruhezeit schläft sie nicht durch, ihr reichen 30 Minuten. Aber sie liegt von sich aus ruhig da und genießt ihre Auszeit, die sie nach 4 Stunden spielen auch dringend braucht.

Am Anfang der Schlaftage habe ich sie direkt um 14 Uhr abgeholt, erhöhte aber innerhalb dieser Woche auf 15 Uhr, der gebuchten Betreuungszeit.

Als mir die Erzieherin am Ende der vierten Woche mitteilte, dass die Eingewöhnung jetzt abgeschlossen sei, wurde mir dann doch ganz schwer ums Herz. Ich war wehmütig und gleichzeitig so stolz auf mein kleines Mädchen, welches in Wahrheit die zweitälteste in der Krippe ist – also vielleicht doch mein großes Mädchen?

Fazit

Ich bin wirklich froh, wie gut die Eingewöhnung bei uns gelaufen ist. Anfangs dachte ich noch, es würde zu langsam laufen. Weil die Maus so viel Spaß hatte und auch gar nicht nach Hause wollte. Doch dann entschied ich mich, den Erzieherinnen zu vertrauen – und fuhr damit genau richtig. Meine Kleine war das letzte Eingewöhnungskind ihrer Erzieherin, bevor diese im Sommer in Rente geht. Was ich persönlich an dieser Frau schätze, ist, dass sie die Ruhe in Person ist. Sie muss nach 36 Jahren im Beruf niemanden mehr etwas beweisen, weder sich, noch den Eltern. Ein Fels in der Brandung und für meine Maus ein echter Glücksgriff. Sie war während der Eingewöhnung immer präsent hat meiner Tochter aber stets den Raum gegeben, den sie gebraucht hat. Damit hat sie genau den richtigen Weg zwischen Nähe und Abstand gefunden.

Inzwischen geht die Schnecke seit 6 Wochen in die Krippe und hat zu allen Erzieherinnen Vertrauen aufgebaut. Ihr Wortschatz explodiert förmlich. Als sie die Tage in die Gruppe hinein gesagt hat „Tschüss Kinder, bis morgen“ musste ich noch mal schauen, ob ich wirklich das richtige Kind auf dem Arm halte. Sie entwickelt sich gerade rasend schnell, fast schon zu schnell für mein wehmütiges Mamaherz. Aber ich platze vor Stolz, jeden Tag.

Seit gestern sitzt sie auf ihrem Hüpftier und sing „Hoppe hoppe Reiter“. Wow.

PS: Der andere Junge hat sich genauso gut eingewöhnen lassen, obwohl er ein ganzes Jahr jünger als meine Tochter ist.

PPS: Die Freie Universität Berlin hat herausgefunden, dass Kinder, die nicht eingewöhnt werden, in den ersten sieben Monaten bis zu vier mal öfter krank werden. Sie sind insgesamt auch ängstlicher und entwickeln sich etwas langsamer als Gleichaltrige, dies wurde vor allem bei unter zweijährigen Kindern beobachtet. (Quelle: Das Berliner Eingewöhnungsmodell – Theoretische Grundlagen und praktische Umsetzung von  Katja Braukhane & Janina Knobeloch – dieser Text diente allgemein als Basis für diesen Blogpost)

 

 

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