Wiktoria's Life

Die perfekte Mutter

Ich habe wirklich überlegt ob heute der richtige Abend ist um sich mit Danis Blogparade zum Thema #allesperfekt zu beschäftigen. Seit ein paar Tagen ist der Wurm drin. In meinem kleinen putzigen Mäuschen ist ein Wurm drin der sie dazu bringt ständig zu weinen, alles was die Mama tut abzulehnen, nicht mehr durchzuschlafen und schlecht zu essen. Ich kann es meiner Tochter so gar nicht recht machen und fühle mich alles andere als wie die perfekte Mutter.

Die Stimmung könnte für dieses Thema also kaum besser sein.

Was ist die perfekte Mutter? Vor der Geburt meiner Tochter und auch noch die erste Zeit danach hätte ich folgende Anwort gegeben:

Die perfekte Mutter
… stillt.
… kocht alles selbst. Gläschen sind Teufelswerk!
… hat niemals Engpässe in der Wäsche.
… hat immer ein warmes Essen auf dem Tisch stehen.
… hat immer eine mindestens geputze Wohnung.
… hat eigentlich auch immer auch eine aufgeräumte Wohnung (Kinderspielsachen ausgenommen).
… hat selten schlechte Laune.
… ist immer gerecht und gütig ihren Kindern gegenüber.
… und am besten auch noch gut im Bett und tralala.

Wartet mal, das hat doch schon jemand anderes ganz gut auf den Punkt gebracht, nämlich Florian Schröder:

Ist das wirklich so? Suggeriert uns dies die Gesellschaft? Will die Gesellschaft uns so haben? Ich dachte es ja selbst lange so, also wird wohl was dran sein nicht wahr?

Was für ein Stress. Was für eine Erwartungshaltung! Muss ich überhaupt perfekt sein? Reicht es nicht dass ich einfach jeden Tag in meinem verrückten Mama Alltag das Beste gebe? Und an manchen Tagen auch einfach nur meinen Job tue ohne das Maximum herauszuholen? Wir sind nicht die Frauen von Stepford, wir sind keine Roboter die immer lächeln und nie eine Miene verziehen. Wir sind einfach nur.. wir.

Stinknormale Frauen die – wenn sie ehrlich sind – keine echte Vorstellung davon hatten was es heißt Mutter zu werden. Die sich ins Abenteuer Mama stürzten, mehr oder weniger vorbereitet dank Hebamme, Geburtsvorbereitungskurs und dem einen oder anderen Buch. Und die dann versuchten zu überleben. Vor allem die ersten Tage und Wochen. Die mit der Zeit immer besser wurden in ihrem Job, so wie man in jedem Job in seine Aufgaben hereinwächst. Aus anfänglicher Überforderung wurde Routine, Angst wich der Gewisseheit und der Selbstsicherheit.
Selbst die augenscheinlich perfekteste Mutter musste in ihre Rolle erst hineinwachsen. Die Idee oder viel mehr die Erwartungshaltung von Anfang an perfekt sein zu wollen setzt uns doch nur unnötig unter Druck. Wir müssen keine hundert Ratgeber lesen um zu erfahren was der vermeintlich richtige Weg ist. Eine gesunde Auseiandersetzung mit den relevanten Themen und ganz viel Muttervestand und Herz müssten doch eigentlich reichen, nicht wahr?

Ist der Drang nach Perfektionismus den Preis wert sich möglicherweise selbst aufzugeben? Oder empfinden das Frauen, die in meinen Augen perfekt sind dies nicht als Bürde sondern als Selbstverständlichkeit? War meine eigene Defintion von Perfektionismus überhaupt richtig? Wie weit bin ich bereit zu gehen um gewisse Ansprüche – seien sie von der Umwelt oder von mir selbst gestellt – zu erfüllen? Sind sie es wert? Sind bestimmte Vorstellungen nicht wert überdacht zu werden?

Heute weiß ich dass meine Qualität als Mutter nicht darin besteht durch und durch perfekt zu sein. Ich habe meine eigenen Kriterien hinterfragt (etwas was man in meinen Augen generell hin und wieder tun sollte) und kam zum Schluss dass ich hier und da vielleicht Potential zur Verbesserung hätte aber insgesamt meinen Job doch ganz anständig mache. Ich bemesse meine eigene Qualität an der Liebe die ich meinem Kind gebe, gepaart mit gesunder Förderung seiner Fähigkeiten.

Überhaupt, das Potential. Ich bin grundsätzlich der Meinung dass das Streben nach mehr wichtig ist. Sich auf bereits Erreichtem auszuruhen ist der erste Schritt zum Rückschritt. Die persönliche Weiterentwicklung hat uns ja auch erst zu den Menschen werden lassen die wir heute sind. Wer werden wir in zehn Jahren sein? Wer wollen wir in zehn Jahren sein? Anfang zwanzig wollte ich nicht mehr sein, dass ich mit 30 hier stehe verdanke ich meinem ganz persönlichen Weg.

Weiterentwicklung – ja unbedingt! Verkrampfheit um irgendwelche vermeintlichen Ideale zu erreichen – bitte nicht! Wer bestimmt denn was perfekt ist? Ist es die Gesellschaft so wie Florian Schröder es sagt? Sind es unsere Mütter die wir vielleicht bewundern und es genauso machen wollen – oder eben ganz anders? Ist es die Freundin die scheinbar alles so gut im Griff hat? Oder kommen diese Ansprüche nicht aus uns selbst heraus? Es unbedingt richtig zu machen, perfekt eben. Meines Erachtens wird Müttern viel zu viel Stress gemacht. Allein das Angebot suggeriert uns von der Schwangerschaft an: wenn Du nicht zum Babyschwimmen, zum Pekip und am besten noch zu Altgriechisch für Babys gehst verpasst Du etwas – oder noch schlimmer: Du bist keine gute Mutter weil Du nicht bereit bist für Dein Kind das Maximum herauszuholen. Wie können da Frauen, die möglicherweise kein starkes Selbstbewusstsein haben die Gewisseheit und die Souverenität nehmen zu wissen dass sie es richtig machen? Einfach weil sie auf sich und auf ihr Kind hören?

Wie kommt man aus der Spirale aus dem Wunsch nach dem Bestmöglichen und dem damit einhergehenden Stress und innerlichen Druck heraus? Eine psychologisch fundierte Antwort kann ich nicht liefern aber vielleicht hilft etwas Selbstreflektion. Wer will ich sein? Bin ich das? Wenn ich das nicht bin was kann ich ändern um dies zu erreichen? Welche Veränderungen sind realistisch? Und vor allem: welche Veränderungen sind wirklich notwendig, bringen einen echten Mehrwert für mein Leben? Was möchte ich meinem Kind vorleben?

Wie ich bereits weiter oben schrieb stelle ich meine eigenen Überzeugungen, Gewohnheiten und persönlichen Eigenschaften gelegentlich auf den Prüfstand. Meistens ergibt sich das aus der Situation heraus die mich inne halten lässt und mich zweifeln lässt ob das was und ich wie ich es mache noch zu mir passt. Ob es nicht besser ginge. Das mache ich aber nicht um neuen vermeintlichen Idealen zu folgen oder mich selbst erneut unter Druck zu setzen. Perfektionismus ist nicht (mehr) der Anspruch aber auf der Stelle treten möchte ich auch nicht.

Ich möchte einfach meine Sache gut machen. Nicht perfekt. Nicht ideal. Aber eben auch nicht weit abgeschlagen unter meinen Möglichkeiten. Es soll zu mir passen. Am Ende des Tages will ich ich selbst bleiben.

2 Comments

hi,
du hast so recht. Selbstreflexion finde ich auch unglaublich wichtig, da man nur dann sehen kann,was wirklich funktioniert und was nicht und zu der Sache mit deinem Wurm, das klingt sehr nach einem Schub oder dergleichen. Wir haben gerade die Autonomiephase in vollem Gange und sie zeigt sich bei uns auch durch Unverständnis und viel weinen. Haltet gemeinsam durch.
Liebe Grüße und danke fürs mitmachen.
Dani

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Toller Beitrag. Daumen hoch.

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