Der Entwicklungsschub „Prinzipien“ mit 14 Monaten

Alle Eltern von Babys und Kleinkindern kennen das – das liebste Kind verwandelt sich binnen Tagen ein fremdes Wesen von einem anderen Planeten. Glückwunsch, es ist mal wieder Zeit für einen Schub.

Mausi steckt halstief in einem solchen, nämlich im Schub „Prinzipien“, der erfahrungsgemäß zwischen 59 1/2 und 60 1/2 Wochen nach ET (!!) eintritt. Mausi wurde ja bei 41+0 geholt, ist jetzt also 60,5 Wochen alt, laut ET aber schon 61,5.

Das Buch

Die Schübe wurden sehr schön im Buch „Oje, ich wachse“ von Dr. Hetty van de Rijt und Dr. Frans Plooij beschrieben. Es ist ziemlich vorhersehrbar ist wann Kinder wieder einen Sprung in der Entwicklung machen werden und wie sie sich dabei verhalten. Ihr Wissen darüber haben sie in diesem tollen Buch zusammengeschrieben dass vielen Eltern schon geholfen haben ihr kleines verrückt spielendes Baby zu verstehen. Passend dazu gibt es eine App (Android, iOS und Windows Phone – die App im entsprechenden Store ist jeweils verlinkt und kostet je nach Anbieter knapp unter 2 Euro). Beides habe ich. Beim Buch habe ich leider eine ältere gebrauchte Auflage die nur 8 Sprünge enthält gekauft und so bin ich bei den letzten beiden Sprüngen auf App und das Internet angewiesen. Reicht aber ehrlich gesagt auch.

 

Was ist nun dieser 9. Sprung, der der Prinzipien?

Laut van de Rijit und Pooij ist dieser neunte Sprung die endgültige Abschied vom Baby und der Übergang zum Kleinkind. Die Kinder verstehen nun Zusammenhänge klar und führen sie auch aus. Sie lernen erste Strategien um zu erreichen was sie wollen und brauchen auch deswegen speziell Regeln.

Was sind die Anzeichen und wie merke ich sie an unserer Mausi?

Die erste Phase des Sprungs geht in der Regel im Alter von 59 bis 63 Wochen nach ET los. Ungefähr in dieser Phase habe ich gemerkt dass Mausi sich wieder verändert. War unser Kind bis dahin sehr autonom und selbstständig habe ich mit ungefähr 13 Monaten die totale Rückkehr zur Mama gemerkt. Sie war weiterhin selbstständig aber hatte mich immer fest im Blick. Sie wurde auch deutlich quengeliger als ich es bisher von ihr kannte und auch das Gitterbett schien auf einmal zu stinken – sie zog ohne Diskussion und Widerrede ins Familienbett und lies sich auch nicht mehr austreiben (dabei hat sie bis dahin relativ schön im eigenen Bett geschlafen). Sie fing allerdings auch endgültig mit dem Laufen an.
Da haben wir uns schon gedacht, hier passiert etwas. Dabei haben wir nicht auf dem Schirm gehabt dass der nächste Sprung ansteht.

Da ich merke wie stark die Veränderungen zur Zeit nochmal zunehmen vermute ich dass wir bereits in der zweiten Phase des Sprungs – die in der Regel um die 64. Woche herum kommt – angekommen sind. Vor allem seit der letzten Woche habe ich ganz stark den Eindruck mein Kind wurde komplett ausgetauscht und da Mausi hinsichtlich der Sprünge immer eher zwei Wochen vor ET dran war würde es passen.

Dafür spricht dass sie nun auch alle anderen Anzeichen des Sprungs bedient. Wenn ich im gleichen Raum bin wird der Papa rigoros abgelehnt und sie hängt an mir. Bin ich nicht da ist der Papa vollkommen okay, hat sie die Wahl hat der Papa ziemlich verloren. Ich darf den Raum nicht verlassen, ich darf nicht mal um die Ecke verschwinden (unsere Küche ist offen ums Eck zum Wohnzimmer) ohne dass es dramatisch wird. Mausi ist auch neuerdings wahnsinnig eifersüchtig. Nehme ich in der Krabbelgruppe ein anderes Kind auf den Arm habe ich mein furchtbar meckerndes Kind am Bein hängen.

Der Sprung im Alltag

Wie gesagt, ich erkenne mein Töchterchen nicht wieder. Seit Beginn des Sprungs läuft sie endgültig flüssig. Krabbeln gehört in den meisten Fällen der Vergangenheit an.
Sie imitiert immer mehr. Sie kommt zu mir und macht die Handbewegungen der Fingerspiele aus der Krabbelgruppe und fordert mich damit eindeutig zum Singen auf. Die langen Aaaahs in den Liedern „singt“ sie mit. Sie schnappt sich einen Lappen vom Tisch und wischt damit über die Tür oder den Stuhl. Sie greift sich den Bodenwischer und fängt an die Küche zu „wischen“.
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Wenn sie mit dem Essen fertig ist schmeisst sie entweder den Teller auf den Boden oder drückt ihn mir in die Hand – sie scheint verstanden zu haben dass man den Teller nach dem Essen von Platz entfernt – in welcher Form auch immer 🙂 (Nein, mein Mann und ich schmeissen unsere Teller in der Regel nicht auf den Boden, so schlecht koche ich dann doch nicht). Sie lässt sich seit zwei Tagen auch kaum noch mit dem Löffel oder der Gabel füttern. Sie muss selbst essen, komme was wolle. Leider mit der Konsequenz dass ich nach jeder Mahlzeit erstmal das Kind umziehen darf, den Hochstuhl putzen und den Boden erst fegen und dann wischen darf.

Auch die Wörter „ja“ und „nein“ bekommen merklich eine Bedeutung. Habe ich letzte Woche noch mit viel Nachdruck „nein“ sagen müssen als ich geduscht habe und sie versucht hat in die Dusche zu klettern haben sich ihre Mühen vor ein paar Tagen deutlich in Grenzen gehalten. Nach zwei oder drei deutlich ausgesprochenen „neins“ hat sie es aufgegeben die Tür der Duschkabine zu öffnen.

Generell scheint sie die Abläufe des Alltags immer mehr zu begreifen. Was am Freitag (26.02.2016) passiert ist hat mich mit offenem Mund zurück gelassen. Unser Kater stand am Katzenfutterschrank und hat ganz laut gemiaut. Mausi ist zu ihm hin gelaufen, hat ihm den Kopf gestreichelt, den Schrank aufgemacht, eine Packung Futter herausgenommen und ihm hingehalten. Dazu hat sie richtig auffordernd gequieckt. Als der Kater erschrocken ein paar Schritte zurück ist ist sie ihm gefolgt. Mein Mann hat der Mausi dann geholfen die Katze zu füttern.

Da die Kinder sich in dieser Phase massiv ausprobieren ist jetzt der Zeitpunkt an dem sie Regeln brauchen. Das war übrigends auch der Grund warum ich mir das Buch von Jesper Juul „Nein aus Liebe“ und „Die neue Elternschule: Kinder richtig verstehen und liebevoll erziehen“ von Margot Sunderland gekauft habe.

Was noch zu dem Sprung gehören kann, ich aber bisher an der Mausi nicht festgestellt habe: Kinder entwickeln erste Ängste, versuchen mit den Eltern zu verhandeln, lernen den Unterschied zwischen „meins“ und „deins“ und spielen übertrieben mit ihren Gefühlen in dem sie betont brav oder betont unartig sind.

Hilfe

Den Zwergen kann man am besten helfen, in dem man zum einen eben Regeln aufstellt und sie zum anderen so weit es eben geht einfach machen lässt. Sollen sie im Rahmen der gesunden Möglichkeiten ihre Grenzen testen. Dies bedeutet aber für uns Eltern aber auch: wir müssen uns Zeit nehmen. Viel viel Zeit. Das Frühstück dauert jetzt doppelt so lange weil das zugegeben bequeme und schnellere Füttern fast komplett wegfällt. Dazu kommt die Zeit die man für die Generalsanierung der Wohnung Reinung des Hochstuhls und des Bodens braucht.

Spiele die das Kind zum Nachmachen aninimieren helfen ebenfalls sehr. Zeit vor dem Spiegel so dass das Kind die eigene Mimik erforschen kann. Ebefalls wichtig ist es das Kind sich austoben zu lassen. Soll es seinen Wutanfall liegend auf dem Boden ausleben, er geht vorbei. Hier ist es an uns Eltern ruhig zu bleiben und dem Kind zwar den tröstenden Arm anzubieten gleichzeitig dem Kind aber den Raum zu geben den es braucht um seine Wut zu bewältigen. Das Kind schimpfen ist hier der völlig falsche Weg. Leider muss ich aus eigener Erfahrung zugeben dass es manchmal wirklich Beherrschung braucht ruhig zu bleiben wenn das Kind wieder schreiend am Boden liegt nur weil man gewagt hat ihm den Rücken zuzuwenden oder – was viel schlimmer ist – einfach auf Toilette zu gehen.

Generell ist austoben lassen ein gutes Stichwort. Heute waren wir in der Schulturnhalle. Die Feuerwehr hat diese für die morgige Kommandanten Versammlung aller Feuerwehren im Landkreis hergerichtet. Mein Mann ist bei der Freiwilligen Feuerwehr und half beim Aufbau. Wir nahmen die Mausi mit um sie bisschen herumrennen zu lassen. Sie hat sich mächtig ausgetobt und ich habe richtig gemerkt wie gut ihr das tat. Andere Kinder bauten Matten auf und hüpften darauf herum. Obgleich sie bei weitem die Kleinste war war Mausi mittendrin statt nur dabei. Nicht mal die Sprossenwand war vor ihr sicher. Ich frage mich ob wir langsam ins Spielplatz-Alter kommen. Wir haben hier ganz in der Nähe einen Spielplatz mit tollen Spielsachen für die Allerkleinsten. Das Zubettbringen war Abends übrigens kaum ein Problem, heute sogar im eigenen Bett!

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Abschließend…

… stelle ich fest dass dieser neunte Sprung der bisher anstrengendste von allen ist. Aber vielleicht habe ich das bei den vorangegangenen acht auch schon behauptet… Es ist aber in jedem Fall der bei weitem Spannendste. Ich meine dass in keinem anderen Sprung die Veränderung im Kind so gravierend war. Momentan wache ich jeden Tag mit der Frage auf was mir mein kleines Mädchen heute zeigen wird.

Und ja, es ist ganz klar ein Abschied vom Baby. Aber die Kleinkind – Zeit kündigt sich mit verheißungsvoll an dass ich voller Neugierde auf sie schaue!

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