Wiktoria's Life

Heimat ist….

… ja was ist Heimat eigentlich?

Ich habe zur Blogparade aufgerufen (siehe : https://wiktoriaslife.com/aufruf-blogparade-heimat/). Ich wollte wissen, was Heimat für Euch ist, was sie Euch bedeutet.

Zeit die Frage mal selbst zu beantworten.

Zuerst möchte ich erzählen wie ich überhaupt auf dieses Thema gekommen bin. Meine kleine Schwester wohnt seit gut 6 Jahren 200 km weit weg. Sie ist zum Studieren nach Dresden gegangen und will von dort auch nicht mehr weg. Dieses Weihnachten kam sie nicht zu uns „nach Hause“. Etwas, was ich unheimlich schade fand. Denn es war ein weiterer Axthieb gegen ihre geographischen Wurzeln. Und da kam mir die Frage: Was ist Heimat?

Mir selbst fällt es ziemlich schwer diese Frage zu beanworten. Daher frage ich erstmal den Duden:

Heimat

Quelle: Duden: Heimat

Geboren wurde ich in Polen, in der Heimatstadt meiner Mutter. Dort habe ich aber nie wirklich gelebt und da nur noch eine Tante von mir dort wohnt kann ich meinen Geburtsort kaum als meine Heimat bezeichnen. Es ist nur ein Wort in meiner Geburtsurkunde und in meinem Ausweis.

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Der See in meiner Heimatstadt

 

Aufgewachsen bin ich in einer kleinen bayerischen Stadt. Hier fühle ich mich zu Hause. Diesen Ort würde ich als meine primäre Heimat bezeichnen. Damit beziehe ich mich aber auf die gesamte Umgebung. Da meine Familie viel und oft innerhalb der Stadt umgezogen ist habe ich kein „klassisches“ Elternhaus. Besuche ich heute meine Eltern kann ich nicht in mein altes Kinderzimmer gehen, denn in den letzten beiden Wohnungen habe ich schon gar nicht mehr gelebt.

Wie viele Kinder der Provinz hatte ich nach dem Schulabschluss nur einen Wunsch: RAUS HIER! Weit habe ich es nicht gebracht, aber immerhin 130 km weg. Diese zwei Jahre Berufsausbildung waren toll. Von zu Hause ausziehen, selbstständig werden, Leben in der WG, Parties. Es war meine Sturm und Drang Zeit. Alle zwei Wochen fuhr ich in die alte Heimat. Und da spürte ich zum ersten mal, was Heimat bedeutet. Ich fuhr durch die kleinen Straßen, sah die altbekannten Häuser, jedes schon hunderte male gesehen. Und fühlte mich bewusst wohl. In meiner Teenagerzeit konnte ich dieses Gefühl noch gar nicht empfinden, woher auch. Wie so oft im Leben weiß man erst zu schätzen was man hat wenn es erstmal weg ist

Nach zwei Jahren bin ich gerne zurückgekehrt. Diesen Sommer sind es zehn Jahre dass ich wiedergekommen bin. Dennoch habe ich in aller Regelmäßigkeit meinen Provinz-Koller, wie ich es selbst nenne. Das passiert vor allem wenn ich in tollen größeren Städten bin (passend dazu folgt demnächst ein Blogpost zum Thema „Stadt oder Land“, ebenfalls im Rahmen einer Blogparade). Speziell wenn ich in Dresden oder in Hannover bin frage ich mich warum ich überhaupt in mein langweiliges Örtchen zurückfahre. Denn nein, ich lebe nicht in besagter Kleinstadt. Ich wohne in einer 6000 Seele Gemeine vor der langweiligen Kleinstadt. Es ist kein Geheimnis: würden wir ein Jobangebot aus Hannover, Nürnberg oder Dresden bekommen (das sind „meine“ drei Städte in Deutschland) – ich würde alles stehen und liegen lassen und hinziehen. (Was allerdings ziemlich theoretisch ist, wir haben hier ein Haus und mein Mann ist wohl das Abbild dessen was man als Heimatverbundenheit bezeichnen könnte. Er wird sich so schnell nicht neu orientieren. Weil er es gar nicht will. Das ist auch okay für mich).

Dennoch: Heimat ist hier. Egal wo ich bin und wo ich wohne. Ich bin nun mal ein Kind der fränkischen Provinz.

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Die Warschauer Altstadt mit der kleinen Meerjungfrau – dem Wahrzeichen der Stadt

Aber da ist eben auch noch Polen in meiner Seele. Die Familie meiner Mutter lebt in Warschau. Warschau ist mein Exil. Mein Fleck auf der Welt in der die Realität nichts verloren hat. ICH LIEBE WARSCHAU. Passiere ich die Stadtgrenze, stürze ich mich gestresst von den 8 bis 10 Stunden Anfahrt in den verrückt gewordenen Verkehr der Großstadt – ja genau in diesem Moment schaltet mein Hirn in den Modus „Entspannung“ (während der müde Körper versucht zwischen den ganzen Autos den Weg zu finden und zu überleben). Gehe ich die Treppe zu meiner Oma in den dritten Stock hoch fühle ich mich angekommen. Laufe ich durch die bildschöne Warschauer Altstadt fühle ich mich dazugehörig. Bin ich im modernen Teil der Stadt, inmitten der Hochhäuser, Shopping Malls und Büro-Glaskästen verschmelze ich damit zu einer Einheit. Auf Warschau könnte ich eine Liebeshymne schreiben – und vielleicht mache ich das eines Tages auch.

Ist Warschau meine Heimat? Mein Herz ist dort und wird es für immer bleiben. Warschau symbolisiert jedoch mehr meine Wurzeln als mein Heimatgefühl.

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Danzig, Blick auf die Motlawa mit dem berühmten Krantor

Lange dachte ich, Danzig wäre meine polnische Basis. Da kommt nämlich die Familie meines Vaters her. Ich habe als Kind sehr viel Zeit in Danzig verbracht, alle Sommerferien, fast am Stück. Und ich liebe Danzig immer noch. Hier merke ich aber die Veränderung. Heimat ist vielleicht doch nicht der Ort an dem ich den größten Teil meines Lebens verbracht habe. Ist Heimat vielleicht doch viel mehr ein Gefühl? Ich würde es vermuten denn obwohl ich bei weitem nicht so viel Zeit in Warschau verbracht habe wie am polnischen Meer ist doch eindeutig Warschau meine polnische Heimat.

Damit bin ich aber doch der Defintion vom Duden gar nicht so sehr abgewichen. Meine Heimat ist die Gegend in der ich aufgewachsen bin und immer noch / wieder lebe. Ein Teil meines Heimatgefühls ist und bleibt aber immer an Polen gebunden.

Doch viele leben nicht mehr am Ort ihrer Kindheit. Ich habe mal meine Mama gefragt was sie als Heimat betrachtet. Deutschland in dem sie inzwischen länger lebt als in Polen oder ihr Vaterland? Sie hatte länger keine Antwort für mich. Als sie dann nachgedacht hat kam sie zum Schluss dass sie eindeutig ein doppeltes Heimatgefühl hat. Sie ist Polin, hat sich nie als Deutsche gesehen (warum hätte sie dies auch tun sollen?). Sie liebt es „nach Hause“ zu fahren. Aber ihr Leben, ihr reales Zuhause, das ist Deutschland.

Vielleicht muss man auch gar nicht die eine Heimat haben. Vielleicht ist Heimat wirklich nur ein Gefühl und kein Ort. Menschen ziehen um, werden im Urlaub geboren, jetten um die Welt, leben 5 Jahre hier, 4 Jahre dort. Verlieren den Bezug zu dem ursprünglichen Wohnort. Sind sie Heimatlose? Ich glaube nicht. Ich hoffe nicht. Ich glaube, jeder muss diesen Begriff für sich definieren und prägen.

Was ist Heimat für Euch?

 

 

 

3 Comments

Hey Wiktoria,

Da hatten wir ja ähnliche Gedanken. Ich denke auch, dass Heimat ein Gefühl und dass man sich mehr in der Begriffsbestimmung von den „Wurzeln“ entfernt. Vllt ist es gerade die Kunst und auch ein Lebenszweck „Heimat“ für sich zu bestimmen.

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[…] Wiktoria’s Life Last but not least und der Vollständigkeit halber auch noch hier, mein Beitrag. Heimat ist für […]

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[…] selbstständig werden, Leben in der WG, Parties. Es war meine Sturm und Drang Zeit.” (wiktoria’s life – in einem mit dem “Stadt-Land”-Artikel zusammenhängenden Artikel über […]

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