Wiktoria's Life

Shoppen, Käffchen und tiefe Entspannung

Heute war ein richtig toller Tag. Mein Mann hat sich Urlaub genommen damit ich einen Tag Urlaub bekomme.

Um 10 Uhr verließ ich das Haus. Ziel: Die Innenstadt. Ich fuhr mit dem Zug und freute mich auf den Tag. Shoppen, Käffchen trinken und dann Schwimmen. Mein Mann und meine Tochter sollten um 14 Uhr ins Schwimmbad nachkommen.

Obwohl ich auch für mich einkaufen wollte führte mein erster Weg mich in die Spielwarenabteilung. Dort kaufte ich meiner Tochter ihre erste Puppe. Eigentlich dachte ich sie sei dafür noch zu jung aber dann habe ich letzte Woche beim Babytreff gesehen wie hingebungsvoll sie mit der Puppe der Gastgeberin gespielt hat – und entschied: die Zeit ist reif. Der Gesichtsausdruck der Mausi am Abend als ich ihr die Puppe überreichte … ihr hättet es sehen müssen! Sie hat übers ganze Gesicht gestrahlt und wollte die Puppe gar nicht mehr hergeben! Mission geglückt würde ich sagen!

Puppe

Dann habe ich mir noch eine Hose gekauft, eine Größe kleiner! Die trug ich zuletzt vor der Schwangerschaft. Was für eine Motivation! Ich ging in Ruhe in einem Veggie Restaurant zu Mittag essen, setzte mich mit Zeitschrift und Kaffee in ein kleines Café und gönnte mir im Douglas eine Hautanalyse und kaufe mir eine passende neue Creme.

Vegetarischer Burger

Kaffeepause

Im Schwimmbad schwomm ich 20 Bahnen, gönnte mir Ruhe im Dampfbad und im Whirlpool. Und merkte so richtig wie der Akku sich wieder voll lud. Gegen 14 Uhr hat mich dann aber doch die Sehnsucht nach meiner Familie gepackt. Gerade in dem Moment als ich mich im Bistro mit einem Kaffee hinsetze klopfte mein Mann von außen und winkte mich zur Umkleidekabine. Ich ließ den Kaffee stehen (aber nicht ohne Bitte an den Bistro Betreiber den Kaffee doch bitte nicht zu verräumen) und half schnell meinem Mann. War ja klar. Warum hätte ich ausgerechnet diesen Kaffee heiß trinken dürfen?? Immerhin war er noch warm als ich zurückkam.

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Der Nachmittag im Schwimmbad war grandios. Schnecki hatte so viel Spaß! Sie hat rumgealbert, auf der Rutsche gegrinst, mit dem Papa herumgeplanscht und Pommes gefuttert. Erst als alle Füße und Finger schrumpelig rumpelig waren gingen wir heim (ich war insgesamt über 3 Stunden im Schwimmbad und war echt fertig).

Zu Hause ist die Mausi relativ schnell eingeschlafen. Ich sitze nun im abgedunkelten Wohnzimmer, bin hundemüde aber tiefenentspannt. Ich erfreue mich an der Ruhe.

Diese Pausen, die müssen einfach hin und wieder sein. Ich brauche keine drei Stunden pro Woche. Aber drei Stunden pro Monat am Stück wären schon ganz nett. In der Regel bekomme ich sie über meine Besuche im Nagelstudio. Meine Nägel gehören zu meinem eitlen Selbstbewusstsein einfach dazu und so müssen sie auch sein. Ohne fühle ich mich nackt. Ich bin Nagelkauerin und habe die Wahl zwischen blutigen Stummeln oder hübschen künstlichen Nägeln. Und Tage wie heute (der zweite seit Schneckis Geburt) sind einfach der Jackpot. Ich konnte in Ruhe Menschen beobachten. Hosen anprobieren. Rolltreppe fahren. Ohne Rücksicht auf Kinderwagen, hungrige Kinder und zu enge Umkleidekabinen.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Eltern“ ist es Thema dass eine gute Mutter eine solche ist, die auf sich achtet. Und dass es dem Kind immer nur so gut geht wie der engsten Bezugsperson.

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Eine Mama mit einem leeren Akku, eine gereizte Mama, eine Mama die ihre täglichen Runden im Hamsterrad dreht kann auf Dauer kein Glück und keine Zufriedenheit ausstrahlen. Woher soll sie diese auch nehmen? Nach meiner heutigen Auszeit könnte ich mit der Schnecke die ganze Welt erobern. Gestern Abend fiel mir schon die Zubereitung des Abendessens schwer. Ich habe eben meine Pflicht getan. Die Leidenschaft war weg, die Begeisterung (wobei ich nicht jeden Tag mit Begeisterung Abendessen zubereite, es steht auch kein Cheerleading Team neben mir und bejubelt mich). Aber wenn man nur noch Dienst nach Vorschrift schiebt ist es Zeit für eine kleine Pause.

Ich war schon immer der Meinung dass eine Mama auf sich selbst achten muss. Ich hatte im Sommer eine Phase in der ich das erstbeste aus dem Schrank gefischt habe, mich gekämmt habe oder manchmal auch nicht, mich nicht mehr geschminkt habe. Und irgendwann sah ich an mir herunter: ein schlecht sitzendes Top und eine verwaschene Jogginghose. DAS BIN ICH? Früher war ich die, die ungeschminkt nicht mal zum Bäcker gegangen ist. Ich habe mich selbst vernachlässigt, sah keinen Grund mehr mich hübsch zu machen, für wen denn? Dabei liegt die Antwort doch so auf der Hand: für mich alleine. Heute kann ich auch ungeschminkt zum Bäcker gehen. Sogar in die Stadt. Sogar ins Theater. Aber ich fühle mich wohler wenn ich eine kleine Schicht Make-Up, etwas Puder, einen Lidstrich und etwas Mascara trage. Der Aufwand variiert nach Tageslaune, aber völlig verlottert herumgammeln erlaube ich mir schlichtweg nicht mehr. Zumindest ordentlich will ich aussehen. Ganz alleine für mich selbst.

Make-Up

Und so wie ich wieder angefangen habe auf mein Äußeres zu achten so muss ich mich selbst gelegentlich daran erinnern auch auf mein Inneres zu achten. Erst wenn ich mit mir selbst zufrieden bin kann ich das an mein Kind weitergeben. Die Frage ist ja auch was ich meiner Tochter vorleben will? Selbstaufgabe oder Balance zwischen Familie und mir selbst? Ich habe meine Bedürfnisse und meinen Charakter nicht im Kreissaal abgegeben. Natürlich verändert sich das Leben wenn man Mama wird und man kann nicht weitermachen wie bisher. Die Bedürfnisse ändern sich, verschwinden oder werden von anderen ersetzt. Habe ich früher wirklich aufwendige Make-Ups gezaubert reicht heute ein einfacher Lidstrich. Habe ich früher ein Buch pro Woche gelesen reicht heute eines in drei Monaten. Solche Dinge sind in der Prioritätenliste massiv nach unten gerutscht. ABER: Sie sind immer noch da!

Ich bin erst dann eine richtig gute Mama wenn ich hin und wieder auf mich selbst achte. Denn das gibt mir die Stärke die ich im turbulent-anstrengend-tollen Mama-Alltag brauche.

Wie gesagt, Tage wie heute sind der Jackpot. Mausi verbringt ganz intensiv Zeit mit dem Papa und ich verbringe ganz intensiv Zeit mit mir selbst. Und dann verbringen wir ganz intensiv Zeit miteinander. Wir haben alle vom heutigen Tag profitiert. Und ich bin meinem Mann so dankbar für diesen Tag Urlaub mit dem er uns diesen heutigen Tag ermöglicht hat.

Und so trete ich morgen voller Elan meinen Mama Alltag an. Ohne Hamsterrad. Aber vielleicht mit einem Cheerleading Team.

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2 Comments

Super geschrieben !!! So soll es auch sein, weil Zeit ohne Auszeit verwandelt sich in ein Qualzeit . Weiter so Alicja, sei ein guter Beispiel für alle müde Mamas Denk mehr an Euch selbst, und eure Kinder werden glücklicher 🙂

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Ein sehr schöner Bericht! ❤

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