Wiktoria's Life

Mein schönstes Naturerlebnis auf Reisen

Sabine von Reisespatz.de ruft zur Blogparade auf und frägt uns nach unserem schönsten Naturerlebnis auf Reisen. Hier kommt mir direkt ein Erlebnis in den Sinn dass auf meinen bisherigen Reisen einmalig war.

2007 haben wir unsere erste große Radreise gemacht. Es verschlug uns an die West- und Nordküste Irlands. Wir waren im August dort und doch zeigte uns das Wetter vom ersten Tag an, dass der Begriff „Sommer“ in Irland sehr relativ sein kann. Wir waren in diesem Urlaub quasi permanent nass geregnet und mussten oft unsere Fahrräder festhalten um von Wind nicht davon getragen zu werden. Während dieses wilden Ritts über die grüne Insel durfte ich unser schönstes Naturerlebnis auf Reisen und überhaupt erleben.

Connemara
Ein verregnetes Connemara

Ich führte während dieser Reise Tagebuch, weshalb ich mit dem Eintrag vom 17. August 2007 beginne:

Regen!

Von Anfang an hat es geregnet wie verrückt. Zuerst ging es noch und so konnten wir gut eingepackt in Regenkleidung gute 50 km spulen. Danach wurde es einfach immer schlimmer!
[Anmerkung: wir sind Anhand des Buches Das Irland RadReiseBuch: Ein Fahrrad-Tourenführer. 4000 km Streckennetz, exakte Höhenprofile, Serviceteil mit Tipps und Adressenvon Kay Wewior gefahren]
Kay (Anm. der Autorin: der Buchautor des Radreisebuches) hat eine Route durch die Wildniss Connemaras vorgeschlagen, die wir auch gefahren sind. Da war der Regen aber bereits am Schlimmsten. Uns wehte ein übler Wind um die Ohren und die Regenkleidung fing langsam aber sicher an, nachzugeben. Das Gebiet wäre bei schönen Wetter sicher toll gewesen aber bei dem Wasser das vom Himmel kam wollte ich nur noch weg! Kay sprach von einem 3 km – Anstieg. Das stimmte auch soweit. Er erwähnte allerdings nicht, dass es danach 7 km lang durch das absolute irische Niemandslang ging. Wir waren durch bis auf die Knochen, abbrechen ging aber nicht, waren wir doch fernab aller menschlicher Zivilisation gelandet.

Also weiter. Wir überlegten einen Umweg über die Küste zu machen, weil da angeblich eine besonders tolle Steilküste sei. An der alles entscheidenden Kreuzung hatten wir die Wahl: weiter Richtung Ziel Clifden – 12 km oder Umweg über die Küste + 10km also gut 22 km noch. Laut Karte sollte aber an der Küste ein Hostel sein und so entschieden wir uns für den Umweg um im Hostel die Tour abzubrechen. Tja, nach 5 km ohne Hostel fragten wir dann mal auf einem Campingplatz nach. Hier habe es nie ein Hostel gegeben. Bis wir diese Info allerdings bekamen, sind wir schon so viel rumgeirrt, dass wir die 12 km (von der Kreuzung weg) auf Clifden auch bereits gefahren wären. Ich war kreuzunglücklich, dass wir uns falsch entschieden hatten und nicht doch direkt auf Clifden gefahren sind. Jedenfalls war der Mann vom Campingplatz so nett uns einen Platz in einem B&B zu organisieren. Das B&B lag direkt am Atlantik, trotz Sturm versprühte dieser Ort unglaublich viel Wildromantik.Glücklicherweise hatten wir noch ein Baguette und ein paar Müsliriegel vom “Mittagessen” übrig und mussten so nicht hungern. In den Ort Roundstone (gut 3 km entfernt) konnten wir unmöglich radeln, war doch alles pitschenass. Ganz schlimm hatte es meine Schuhe erwischt, ich hatte schon Angst, sie würden bis zum nächsten Tag nicht trocken werden. Ellie, die Dame des Hauses schürte für uns den Ofen an (die Iren heizen mit Torf – an den Geruch muss man sich auch erstmal gewöhnen) und servierte uns Tee mit Milch und Keksen. Da wir auch kaum noch Wasser hatten, tranken wir erst den Tee und dann die Milch. Ellie hat die Trennung (die Iren mischen das ja) nicht gemerkt, ich glaube, sie wäre sehr beleidigt gewesen. Den Abend verbrachten wir mit einem tollen Blick auf den wild gewordenen Atlantik im Atlantic View House und unterhielten uns bisschen mit einem italienischen Pärchen. Auch wenn ich Anfangs unglücklich war, so verlief der Abend doch sehr gut und wir konnten um 22 Uhr total müde ins Bett gehen.

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Wenn die Regenkleidung nicht mehr hilft…

Wenn ich heute an Ellie und ihr tolles Atlantic View B&B denke, denke ich an das tosende Meer, an den Geruch vom Torf, an nasse Kleidung und an Hunger. Von Keksen wurde man nach so einem langen Tag einfach nicht satt…! Ich werde niemals in meinem Leben vergessen wie wir auf der Couch saßen, uns mit Händen und Füßen mit einem Pärchen aus Sizilien unterhielten und in Bildbänden zum Thema Atlantik blätterten.

Atlantic View House
Am Torf-Ofen sitzend und Zeitung lesend

Um uns herum tobte der Atlantik. Diese Naturgewalt so zu spüren, zu hören wie das Wasser an die Regenscheiben knallt – das war ein Naturerlebnis der besonderen Art. Das Meer hat alles aufgefahren was es zu bieten hatte. Ich war fasziniert. Heute habe ich Angst vor Gewittern, damals habe ich mich in diese Stimmung so richtig hineinziehen lassen. Deswegen erinnere ich mich heute gerne an das Gefühl von damals und versuche der Angst vor Gewittern nicht allzu viel Raum zu geben.

Bei Ellie konnte man so gar nichts machen außer bei am Torf-Ofen zu sitzen. Der Abend wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, trotz Sturm hatte er etwas friedliches. Auch in der Nacht ging der Sturm noch weiter, wir konnten schlecht schlafen. Wie erwartet waren unsere Klamotten am nächsten Tag leider alle nicht ganz trocken, vor allem unsere Schuhe waren nass. Ellie gab uns übergroße Mülltüten in denen wir unsere Füße in die Schuhe stecken konnten.

Der guten Ellie verdanken wir einen Running Gag, den wir gerne bis heute verwenden „You are very welcome, as I told you“. Egal ob die Kekse am Abend, das Frühstück am morgen drauf oder die Mülltüten, die immer höfliche Ellie schloss jede Handlung mit genau diesem Satz ab. Diese Frau ist ein Goldstück und die geborene Gastgeberin.

Blick aus der Tür des Atlantic View House
Blick aus der Tür des Atlantic View House

Am nächsten Morgen folgte uns übrigends der Sizilianer hinters Haus. Er hat in unserem Gespräch am Vorabend nicht ganz verstanden dass wir Radwanderer sind. Ihn haben unser Aufzug und unsere Taschen sehr irritiert. Hinter dem Haus, als er uns dann an den Fahrrädern entdeckt hat, hat es schließlich geklingelt „Oh you guys are by bike!“. Das erst irritierte und dann aufgeklärte Gesicht werde ich niemals mehr vergessen, es war zu herrlich!

Das Auto dees sizilianischen Pärchens vor dem Atlantic View House
Das Auto dees sizilianischen Pärchens vor dem Atlantic View House

Die Nacht bei Ellie beschreibt mit Sicherheit mein schönstes und imposantestes Naturerlebnis. Ganz Irland unglaublich, aber diese Nacht… die bleibt mir als eine ganz besondere in Erinnerung. Vielleicht sollten wir Ellie mal wieder besuchen. 10 Jahre später. Ein schöner Gedanke ist es.

Hier noch ein paar Daten aus der Statistik dieses verregneten Tages:

Statistik:
  • Tageskm: 93,49 km
  • Fahrtzeit: 5h 20min 52 sek
  • Durchschnitts-km/h: 17,48 km/h
  • Maximalge-km/h: 39,20 km/h
Ausgaben des Tages:
  • 03,50 Wasser
  • 09,03 SuperValue Proviant
  • 11,00 Kaffeepause
  • 60,00 B&B

Gesamtausgaben: 83,53 Euro

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Der nächste Tag Richtung Leenane – zum Glück trocken!

1 Comment

Tolles Erlebnis.
Ich wsr mal in der Bretagne, in Cleder, als ich wie Du am Kamin lag, und ein Gewitter runterkam. Halleluja.. in den Steinhäusern scheppert das ja noch mehr.
Und von Blitzableitern hat dort keiner was gehört.
Aber anscheinend ist das für die Gegend normal.

Das Meer und der Himmel wsren allerdings überirdisch schön. Und ich hab mir einen tierischen Sonnenbrand geholt.

Das war ein unvergessliches Erlebnis 🙂

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