Mutter-Kind-Kur in Neuhaus-Schierschnitz: Letzte Tage und Fazit

Sei einer Woche sind wir nun zu Hause. Und so ist auch genug Zeit vergangen, um das Erlebte Revue passieren zu lassen. Denn so wundervoll und entspannend die erste Hälfte war, so chaotisch war die zweite.

Nach Mausis Bindehautentzündung konnte ich genau zwei Tage Anwendungen genießen. Am Donnerstag bekam ich noch zusätzlich ein Gespräch mit der Sozialpädagogin. Da ich tags vorher im Zwischenfragebogen angegeben habe, dass ich mich in Bezug auf meine  ADHS Problematik noch nicht gut versorgt fühlte, war ich überzeugt davon, dass das Gespräch genau diesem Zwecke dienen sollte. Leider war dem nicht so, denn die Sozialpädagogin kannte sich mit ADHS nicht aus. Also haben wir aus der Not heraus über das Thema Schlafen beim Kleindkind gesprochen. Die Kernaussage war im Grunde, das Kind alleine im Bettchen schreien zu lassen (natürlich nicht stundenlang, aber immer wieder mal für einige Minuten). Für mich war das Gespräch eigentlich in dem Moment beendet – Foltermethoden werden im Hause G. nicht angewendet, lieber quäle ich mich weitere Jahre in meinem viel zu kleinen Familienbett. Da ich aber das Gespräch nicht abbrechen wollte, habe ich gute Miene zum bösen Spiel gemacht und den Termin höflich durchgezogen. Ganz nebenbei habe ich erfahren, dass die Einrichtungsleitung auf das Thema ADHS spezialisiert sei….

child-221069_1280

Warum bin ich nochmal hier?

Am nächsten Tag bin ich direkt zur Chefin des Hauses. Sie war überrascht, dass das Gespräch bei der Sozialpädagogin keinen Erfolg brachte. Auf mein Drängen hin bekam ich dann einen Termin bei ihr persönlich – am letzten Kurtag. Hier fiel ich tatsächlich etwas von meiner Kur-Wolke. Bis dahin hatte ich den ganzen Aufenthalt (trotz aller Schikanen mit Krankheiten und Co.) so sehr genossen, dass mich gar nicht wirklich gestört hat, dass mein Kernproblem nicht wirklich angesprochen wurde. Im Endeffekt bin ich ja auf Kur gefahren, weil ich die Last meines eigenen Chaoses nicht tragen konnte. Ich habe mir konkrete Hilfen erhofft, wie ich meinen Alltag besser und strukturierter organisieren kann. Leider kam dies nie zur Sprache – denn drei Tage vor Kurende musste ich abreisen.

Das war noch längst nicht alles…

… wie mir im Nachhinein zugetrage wurde, wollte das Kinderhaus mich am Freitag anrufen und die Maus holen lassen. Da ich aber in Sonneberg beim therapeutischen Schwimmen war, ging das leider nicht. Am Samstag habe ich dann auch erlebt, warum sie mich holen wollten – die Maus bekam über 40 Fieber, dass ich nur temporär runter bekam. Also bin ich 25 km zum Notkinderarzt gefahren worden, der eine schwere Angina festgestellt hat. Die Süße wurde bis einschließlich Montag krank geschrieben. Ich hätte also nur noch den Dienstag als echten Kurtag – wenn überhaupt.

Ich wälzte meine Gedanken hin und her… was tun? Da es meiner Tochter auch am Sonntag so gar nicht besser ging, bat  ich um die Möglichkeit, die Kur vorzeitig abbrechen zu dürfen. Im Nachhinein war das auch richtig, denn die Schnecke ist erst seit Donnerstag wirklich so fit, dass ich sie mit anderen Kindern spielen lasse.

So schnell geht es zu Ende

Am Nachmittag hat mein Mann uns geholt. Ich verließ das Kurhaus mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich bin wirklich sehr schlecht im verabschieden. Außerdem war mir klar, dass ich die meisten Frauen nie wieder sehen würde. Natürlich sind nicht alle meine besten Freundinnen geworden, aber dieses endgültige… ja, das setzte mir durchaus zu. Wobei ich dennoch hoffe, die eine oder andere von ihnen nochmal wieder zu sehen. Denn in diesen 2,5 Wochen sehr engem Kontakt sind mir ein paar der Damen schon sehr ans Herz gewachsen. Und wenn sie das hier lesen, hoffe ich auch, dass sie wissen, dass sie gemeint sind.

luggage-1436515_1280

Mein Fazit

Nun bin ich seit einer Woche zu Hause. Und so langsam bin ich auch vollständig angekommen. Mir ist auf Kur einiges klar geworden. Wir kommen um einige Veränderungen nicht herum.

Meine persönliche Schmerzgrenze

Fakt ist: ich muss gar nichts. Nichts gegen meinen Willen tun, nichts erdulden und schon gar nichts ertragen. Das hat auf Kur im Kleinen angefangen, als ich gemerkt habe, dass mir die eine Sportart so gar nicht gut tut. Also bin ich im Anschluss an die Stunde zur Trainerin hin und habe direkt gesagt, dass ich das nicht mehr machen möchte und werde. Das war nur eine Banalität, die mir aber für den Alltag klar gemacht hat, dass nicht alles so dringend muss, wie es scheint.

Sich trennen können

Wir wissen es alle: keine von den anwesenden Mamas war ohne Grund im Kurhaus. Während meiner 2,5 wöchigen Auszeit habe ich gemerkt, von was und von wem (ja, auch von bestimmten Personen) ich mich trennen oder zumindest zurückziehen muss. Dazu gehören bestimmte Stressfaktoren des Alltags, die ich durch geschickte Organisation mindern oder ganz beseitigen kann. Ich bin jemand, der zu anderen schlecht „nein“ sagen kann. Das aber war es unter anderem, dass mich an den Rand der Belastbarkeit gebracht hat. Hier werde ich meine Prioritäten neu setzen müssen. Und obwohl mir das in der Theorie durchaus bewusst ist, merke ich schon jetzt, dass das in der Praxis eine ganz neue Herausforderung wird. Hierfür muss ich mir noch eine entsprechende Taktik einfallen lassen.

Da bin ja auch noch „ich“

In Zukunft plane ich mehr Zeit für mich selbst ein. Konkret gesagt möchte ich, dass im neuen Jahr auf dem Blog zwei mal pro Woche Artikel erscheinen. Dafür brauche ich Zeit und Organisation. Mir ist bewusst geworden, dass mein Blog mir einfach wichtig ist. Und wie schade ich es immer wieder fand, wenn ich nicht genug Zeit dafür hatte. Dies soll in Zukunft besser werden.

Dann möchte ich das Indian Balance mindestens einmal die Woche praktizieren. Auch hierfür muss ich mir bewusst Zeit nehmen. Dann hänge ich abends eben weniger sinnlos auf Facebook und Co. herum. Ich HABE diese Zeit, vor allem abends. Wir Mamas wissen, wie schwer es ist, sich für so etwas abends, am Rande der Erschöpfung aufzuraffen. Ich muss mir das Gefühl bewahren, wie gut es mir auf Kur während und nach den Stunden mit dem Indian Balance ging. Dann müsste die Motivation ganz von alleine kommen.

Und ja, auch das Nordic Walking soll seinen Platz bekommen. Mir hat schon während der Kur gegraust, wie ich meine Ziele im Alltag umsetzen soll. Die Psychologin meinte, ich solle mich nicht unter Druck setzen. Meine Zeit würde kommen, und wenn sie erst im Februar käme, wenn meine Tochter in der Krippe sei. Wichtig wäre nur, dass ich meinen gepackten Koffer zu Hause stehen hätte. Wann und wie ich ihn auspacke, wäre ein ganz anderes Thema.

Sie hat recht: Mein Koffer, gepackt mit dem Blog, dem Indian Balance und dem Nordic Walking steht bereit. Ich muss ihn nicht noch 2016 komplett ausräumen. Ich kann auch Stück für Stück damit anfangen.

Was wirklich wichtig ist

Nicht zuletzt ist mir auch einfach bewusst geworden, was mir in meinem Leben wirklich wichtig ist. Natürlich ist es mein Mann und meine Familie. Und obwohl dies selbstverständlich sein sollte, so musste ich doch erst einmal den Abstand haben, um schätzen zu lernen, was ich habe. Das heißt natürlich nicht, dass mir meine Familie vorher nicht wichtig war, aber bestimmte Dinge und Menschen werden mit der Zeit zur Selbstverständlichkeit – und ja, auch das eigene Kind wird es das. Mit Distanz auf das eigene Leben zu blicken hilft ungemein, es neu zu sehen und zu entdecken. Nach dieser Pause weiß ich meine Familie mehr denn je zu schätzen. Und mir ist auch klar geworden: Einzelkind ist keine Option, trotz aller Widrigkeiten.
Dazu kommt auch, dass ich lange mit meiner Wohnsituation gehadert habe. Ich kam in unserem Haus nie wirklich an. Durch meine Tochter habe ich mich immerhin mit dem Haus versöhnt. Auf Kur habe ich jedoch gelernt, es zu vermissen. Ein Gefühl, von dem ich nicht dachte, dass ich dazu überhaupt fähig sei. Und wer weiß, vielleicht komme ich ja doch noch an…

bagan-1137015_1280

Noch ein paar Worte zur Kur selbst

Die Mutter-Kind-Kur war definitiv die richtige Entscheidung. Auch wenn die zweite Hälfte sehr bescheiden war. Dort hinzufahren, war das Beste, was ich tun konnte. Allein schon der Tapetenwechsel war gold wert. Außerdem das Grundverständnis der Anderen. Man konnte offen reden und man wurde verstanden – ein Umfeld, dass zu Hause nicht immer gegeben ist.

Das Kurhaus an sich ist super. Schloss und Haupthaus erfüllen ihren Zweck auf sehr gute Art und Weise. Was mir nach zwei Wochen allerdings lästig wurde, waren die Mahlzeiten im Schloss. Vor allem morgends und abends mussten wir Haupthaus-Bewohnerinnen immer die Kinder anziehen für das Essen. Es war jetzt nicht schlimm, aber mit der Zeit einfach nervig.

Die Möglichkeiten, sich mit dem Kind zu beschäftigen, fand ich in Ordnung. Natürlich hat man bei zwei Spielzimmern schnell alles gesehen. Aber es wurde uns nie langweilig. Schade fand ich, dass für Zweijährige und ihre Mütter wenig gemeinsame Aktivitäten angeboten wurden. Da hatte ich durchaus Hoffnungen gehegt. Dennoch konnte ich ein paar wenige Ideen mit nach Hause nehmen.

Das Therapieangebot bewerte ich ebenfalls als in Ordnung. Auf meine ganz persönlichen Beweggründe, eine Kur zu machen, wurde zu wenig eingegangen. Das finde ich sehr schade. Das Gesamtangebot mit Sport, Kreativität und Gesprächen war hingegen gut.

Das Kinderhaus war richtig super! Ein großes Lob an die Erzieherinnen. Wir hatten nun mal keine Zeit für die Eingewöhnung, die Kinder und die Mütter wurden ohne Schwimmflügel ins kalte Wasser geworfen. Diese erhärteten Umstände konnten die Erzieherinnen wirklich wunderbar meistern. Ich hatte nicht einen Tag ein schlechtes Gefühl, mein Kind dort zu lassen.

Der Küche muss ich ebenfalls ein großes Kompliment aussprechen. Das Essen war immer sooo gut! Wirklich. Und trotzdem habe ich fast 3 Kilo abgenommen.

Was sicherlich auch am Sport lag. An dieser Stelle einen lieben Gruß an die Physiotherapeutinnen. Menschlich und beruflich einfach ganz toll. Besonders eine der Damen hätte ich am liebsten mit nach Hause genommen. Eine private Physiotherapeutin kann ich mir leider nicht leisten… Schade eigentlich.

Das war also die Mutter-Kind-Kur 2016 in Neuhaus-Schierschnitz in Thüringen. Wenn auch das Kurhaus nicht die weltbewegenden Inputs für mich geliefert hat – die Auszeit, die Distanz und die Zeit mit mir selbst haben dies getan. Ich bereue es keinesfalls, dort gewesen zu sein und empfehle das Kurhaus mit ein paar wenigen Einschränkungen weiter.

 

2 Gedanken zu „Mutter-Kind-Kur in Neuhaus-Schierschnitz: Letzte Tage und Fazit

Kommentar verfassen