Wiktoria's Life

Wir reden nicht mehr. Wir haben ja Facebook.

Unsere Nichte hat sich verlobt. Die Banknachbarin aus der 1. Klasse ein Baby bekommen. Beides weiß ich dank Facebook. Und frage mich unweigerlich, ob ich mit dieser Form der Informationsweitergabe glücklich bin.

Ja und Nein.

Als ich die Tage über die Verlobung meiner Nichte auf meiner Pinnwand gestoßen bin, habe ich mich ehrlich gefreut! Aber ich hätte es gerne persönlich erfahren. Und wenn es nur eine WhatsApp gewesen wäre. Aber nicht in der breiten Masse der Facebook-Friends.

Was macht Facebook aus uns?

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Bevor ich hier die Moralische gebe, vorneweg: ich mag Facebook. Ich schaue mehrfach täglich rein, ich poste viel und gerne. Instagram ist ein kleines Tagebuch geworden. Ich liebe es. Aber es ist eben auch oberflächlich. Bewusst oberflächlich. Hier mal ein Schnappschuss, da mal ein nettes Bla Bla.

Wichtiges teile ich persönlich mit. Und wenn es nur eine WhatsApp ist. Dann habe ich immer noch den unmittelbaren Kontakt. Umgekehrt genauso. Die Verlobung hätte persönlich eine andere Freude in mir ausgelöst. Natürlich würde ich solche Dinge gerne von Angesicht zu Angesicht gesagt bekommen, die Person daraufhin umarmen, gratulieren. Aber machen wir uns nichts vor, jeder lebt sein Leben, hat viel um die Ohren. Deswegen trage ich es der Nichte keinesfalls nach, dass ich – als angeheiratete Tante – es über Facebook erfahren habe. Denn nicht mal, dass ich schwanger bin, konnte ich allen ins Gesicht sagen. Das ist aber okay so.

Ist Facebook jetzt Fluch oder Segen?

Das ist eine Frage, die ich mir die Tage vermehrt stelle. Für wichtige Informationen ist mir die Facebook-Masse zu anonym. Zu unpersönlich. Da geht die direkte Kommunikation vor. Was wichtig ist oder nicht, muss am Ende aber eh jeder für sich entscheiden.

Die Kehrseite der Anonymität ist, dass man dank der Sozialen Medien überhaupt noch Kontakt zueinander hat, Anteil an des anderen Leben. Vom Baby der Grundschulfreundin hätte ich so vielleicht nie erfahren. Ich habe viel Familie in Polen, dank Facebook ist es mir möglich, meiner Verwandschaft Fotos unserer Maus zu schicken. Ich kann sie an ihrer Entwicklung teilhaben lassen. Das ist mir wichtig und wertvoll.

Außerdem bietet Facebook einfach den unschlagbaren Vorteil an, seine Kontakte in irgendeiner Form am Leben zu erhalten. Dies schafft ein wertvolles Netzwerk. Kleines Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: eine Buchblogger-Kollegin von mir sucht für ein Projekt Self-Publisher. Eine alte Bekannte von mir, die ich vor 9 Jahren (!!!) in einem Forum kennengelernt habe, publiziert ihre Bücher selbst. Ohne Facebook wären die beiden niemals zueinander gekommen. Das ist nur ein Beispiel von vielen, bei denen Facebook sich einfach als das Adressbuch Nummer eins bewährt.

Überhaupt, das Bloggen. Erst dank Facebook habe ich tolle Kollegen der Branche kennengelernt. Erfahre, wenn Blogger-Events stattfinden. Finde tolle, neue Blogs. Die kommunikativen Vorteile von Facebook überwiegen klar gegenüber den Nachteilen.

Reden wir zu wenig miteinander?

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Ach, was waren das noch Zeiten, als ich stundenlang mit diversen Freundinnen am Telefon hing. Mein Vater wurde jedesmal wahnsinnig deswegen. Damals gab es noch kein Skype oder All-Net-Flats. Jede Minute am Telefon mussten meine Eltern bezahlen. Die Telefonrechnungen meiner Teenagerzeit waren astronomisch.

Heute haben wir WhatsApp. Täglich werden 64 Milliarden Nachrichten weltweit verschickt. Schauen wir nur an die nächste Bushaltestelle. Die Leute schauen auf ihre Smartphones und tippen sich die Finger wund. Wir kommunizieren also sehr viel miteinander. Und seien wir ehrlich: WhatsApp ist super. Es kostet nichts und eine kleine Nachricht ist schnell geschrieben. Die SMS ist tot. Telefonieren ist out.

A propos telefonieren. Ich habe diese eine Freundin, mit der ich fast ausschließlich per VoiceMessage kommuniziere. Wir beide lieben diese Form des Kontakts. Sie ist selbst Mama und telefonieren wäre für uns praktisch unmöglich. Dank der VoiceMessages können wir bequem anhören, was die andere zu sagen hat und antworten, wenn unsere Zwerge es uns ermöglichen. Herrlich.

Es ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite erfahren wir über WhatsApp und Facebook jeden Pups vom anderen. Auf der anderen Seite nehmen wir uns viel zu wenig Zeit für einen Cappuccino im Lieblingscafé. Warum eigentlich? Sind wir diese schnelllebige Kommunikation schon so gewöhnt? Ist sie bequemer als ein Treffen in der Stadt? Ist ein Gespräch von angesicht zu angesicht nicht viel schöner?

Wie seht ihr das? Ich bin auf Eure Meinungen gespannt!

3 Comments

Ich denke da ähnlich wie du. FB ist super und verbindet über viele Kilometer, aber aus meinem persönlichen Umfeld (Freunde, Bekannte,Familie), würde ich News die wirklich auch wichtig sind, schon anders erfahren, als durch ein zufälliges darüber stolpern auf FB. Das ist eben auch der Preis des technischen Fortschrittes, den wir alle zahlen müssen, wenn wir nicht aufpassen. Für manche ist es schon Sucht, Bestätigung und Anerkennung vom Netz zu bekommen und da helfen Likes, Herzerl und was weiß ich natürlich wirklich super…eben nicht. Alles eigentlich eine leere Hülle. Ohne würde ich auch nicht mehr wollen, aber könnte, müsste ich, da ist mir Anderes wichtiger
Liebe Grüße
Tanja

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Du hast völlig recht, Tanja. Ich gebe zu, ich hänge schon verdammt viel auf Facebook herum. Aber ich könnte mich genauso umgewöhnen.
Und zum Thema Bestätigung und Anerkennung… treibt uns Blogger und Instagrammer im Speziellen nicht auch an? Wir haben was zu sagen und zu zeigen, also gehen wir damit in die Öffentlichkeit. An sich sehe ich darin nichts schlimmes. Böse wird es erst, wenn man seinen Selbstwert ausschließlich daran misst. Dann läuft was gewaltig schief.
Facebook, Bloggen und Instagram können tolle Hobbys sein. So lange man sich im Klaren ist, dass Leben das ist, was sich jenseits des Monitors verbirgt.
Liebe Grüße,
Alicja Wiktoria

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Ich telefoniere immernoch fast täglich und stundenlang?♥

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