Wiktoria's Life

[Rezi] Konstantin Wecker – Dann denkt mit dem Herzen

Quelle: Randomhouse
Quelle: Randomhouse

Zum Buch:

Dieses Buch habe ich von Randomhouse als Rezensionsexemplar bekommen. Vielen Dank dafür.

Konstantin Wecker verfolge ich schon eine ganze Weile auf seiner Facebook-Seite. Dort schreibt er vieles politisches, zur Zeit natürlich schwerpunktmäßig zur Flüchtlingsthematik. Dieses kleine Büchlein gibt seine wichtigsten Texte wieder, jeweils mit Vorworten von Roland Rottenfußer, dem Chefredakteur des Netzmagazines www.hinter-den-schlagzeilen.de

 

 

 

Worum geht es?

Wecker ist ein Mensch der starken Worte. Dies merkt man an seinen Liedtexten und noch mehr an den Texten, die aus ihm auf seiner Facebook-Seite hinaussprudeln. In 25 Texten fasst er all das zusammen, was zur aktuellen Flüchtlingssituation zu sagen ist. Dabei ist er selten mahnend oder gar belehrend, meist spricht er aus dem Herzen und erreicht dadurch unmittelbar das Herz des Lesers.

Für Konstantin Wecker steht immer der Mensch im Vordergrund. Nicht seine Religion, nicht sein Pass, nicht seine Kultur. Egal ob syrischer Flüchtling oder deutscher Ehrenamtlicher. So sehr er die rechten Randale, die widerlichen Parolen und das schäbige Verhalten einiger Flüchtlingsgegner verachtet – er wird nicht müde zu betonen, wie beeindruckt er von den ehrenamtlichen Helfern ist. Die sich um traumatisierte und mittellose Flüchtlinge sorgen. Die Kindern Kuscheltiere geben und Erwachsenen Deutschkurse.

„Nicht reflexartig aufflammender Fremdenhass ist das Überraschende an der derzeitigen Entwicklung – dieser ist eigentlich das sattsam bekannte „Ewig-Gestrige“; es ist die Stärke und Breite der sich spontan entwickelten fremdenfreundlichen Bewegung, die mich überrascht hat“
(Konstantin Wecker, Dann denkt mit dem Herzen, Seite 83 / 84, Gütersloher Verlagshaus)

Weckers Frau und Sohn sind nach Lesbos geflogen – um mit dem Boot ankommenden Flüchtlingen zu helfen. Als „Gutmenschen“ beschimpft sind die Weckers da, wo es nötig ist – und nicht pöbelnd vor dem PC, gertrieben von der irrationalen Angst um ihr christliches Abendland. Tamino Wecker war gerademal 16 Jahre alt, als er im Herbst 2015 vor Ort geholfen hat. Sein Vater lässt ihn in einem eigenen Bericht zu Wort kommen.Tamino war dort nur 5 Tage – und sah in dieser kurzen Zeit Erwachsene wie Kinder sterben. Er appelliert dringend an alle, die in irgendeiner Form dagegen sind, Flüchtlingen zu helfen, nach Lesbos zu fliegen und sich selbst das Leid der Menschen anzusehen.

Die Weckers sind ganz klar „Gutmenschen“. Etwas anderes käme ihnen aber auch gar nicht in den Sinn.

Meine Meinung:

Das Büchlein ist eine wahre Perle in der Diskussion rund um die Flüchtlinge. Es ist weder naiv noch gutgläubig – es ist fundiert durchdacht. Alles, was Wecker sagt, hat Hand und Fuß. Mehrmals habe ich mir beim Lesen gedacht: mir muss das keiner sagen, dass müssten die „besorgten Bürger“ lesen. Doch die Wahrheit ist: der gemeine AfD – Wähler würde dieses Buch gar nicht in die Hand nehmen. Aus mehreren Gründen: zum einen bewegt er sich nur zu gern in seinem eigenen Mikrokosmos bestehend aus Fremdenhass, Angst und Panikmache. Ein Buch, dass sich dem entgegenstellt, ist für den „Asylkritiker“ meist gar nicht von Interesse. Dann sind die Texte so formuliert, dass man mitdenken muss, um sie zu verstehen. Wer auf plumpe Hetze der rechten Seiten wie Pegida oder AfD herein fällt, der wird dieses Buch schlichtweg und ergreifend nicht verstehen. Und so lesen am Ende dieses Büchlein eh nur jene Menschen, die das Herz sowieso am richtigen Fleck haben.

Nicht Brandstiftung und Angst sind die Antworten, die wir in unseren unruhigen Zeiten brauchen. Es sind Ruhe, Herz, Hilfsbereitschaft und Deeskalation. Kontantin Wecker versteht wie kaum ein anderer, all dies in wenige Worte zu packen.

Ein sehr empfehlenswertes Buch. Und wenn es auch nur einen Zweifler umstimmt, dass es richtig und wichtig ist, in Not geratenen Menschen zu helfen, dann war es jedes Wort davon wert. Denn eine der wichtigsten moralischen Botschaften, die das hochgelobte, zu verteidigende Abendland hat ist nun mal die Nächstenliebe. Auch wenn dies viele „besorgte Bürger“ schlichtweg vergessen haben.

 

 

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