Travel the world: Spanien

Wenn ich an Spanien denke, dann denke ich gar nicht so weit weg… Eigentlich nur ins 130 km entfernte Bamberg. Es gab eine Zeit in meinem Leben, die war sehr spanisch. Und stattgefunden hat sie im Herzen von Oberfranken.

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2004 machte ich mein Fachabitur und beschloss relativ spontan eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch und Spanisch zu machen. Innerhalb von einer Woche meldete ich mich in der Berufsfachschule an, packte meine Tasche und zog vorübergehend in ein Internat in Bamberg. Von da aus suchte ich mir eine WG.

Ich landete in der WG von Kasia, einer Polin die mit einem Spanier zusammen war. Juan lebte in Spanien, die beiden führten eine Fernbeziehung aber er war so oft es ging bei uns. In der Schule lernte ich die Sprache, zu Hause konnte ich so oft es nur ging anwenden (Kasia sprach fließend spanisch, wir unterhielten uns in einer lustigen Mischung aus Deutsch, Polnisch und Spanisch). War Juan zu Gast brachte er gerne noch seine Freunde mit. Die rauschendsten Parties meines Lebens feierte ich auf dem Balkon meiner WG zusammen mit einer Horde sehr temperamentvoller und lauter Spanier. Wie viele Menschen passen auf einen kleinen Balkon? Sehr sehr viele. Wir hatten den Spaß unseres Lebens mit Rioja, polnischem Essen und tollen Gesprächen in allen verfügbaren Sprachen. Zumal wir auch zwischenzeitlich eine japanische Austausschülerin zu Gast hatten. Gelebtes Multi-Kulti. Es hat funktioniert, es hat gerockt. Es war der Hammer.

Als Kasia nach einem Jahr auszog zog die Laia ein. Eine völlig überdrehte putzige kleine Spanierin mit großer Klappe und lautem Organ. Laia war immer in klein wenig drüber – und genau dafür habe ich sie so geliebt. Die tollsten Gespräche finden in der Küche statt? Selten traf das so zu wie während unserer gemeinsamen Zeit. Einige Zeit später – wir waren mit Verena inzwischen zu dritt in der WG – fragte Laia uns ob für ein paar Tage Augustin aus Ecuador bei uns übernachten könne. Er wäre in Deutschland und quasi obdachlos. Klar, kein Problem! Aus ein paar Tagen wurden ganze vier Monate! Augustin genoß schon bald das gemachte Nest und ging lieber feiern als auf Wohnungssuche. Wie oft haben wir uns die Klinke in die Hand gegeben als er um 7 Uhr morgends von der Party heim kam und ich gerade auf dem Weg zur Schule war….? Es war nicht immer leicht mit Augustin, sein mangelnder Beitrag zum WG Leben hat die Stimmung oft belastet. Speziell mit Laia wurde es schwierig weil sie ihn nicht rausschmeissen wollte. Da wir aber irgendwann zu viert in der WG lebten sahen Verena und ich es nicht mehr ein die WG Kosten durch drei zu teilen. Laia übernahm seinen Teil – sie traute sich einfach nicht ihn danach zu fragen. Ich weiß gar nicht mehr wie es dazu kam dass Augustin auszog aber er tat es schließlich.

Augustin genoß bei uns das Leben mit drei Frauen. Er war ein echt prima Kerl – bis auf Finanzielle und dem Beitrag zur WG Ordnung – und wir hatten eine Menge Spaß zusammen. Er wohnte bei Laia im Zimmer – doch als diese mal einen Mann von einer Party mit nach Hause brachte landete er kurzerhand auf einer Matratze in meinem Zimmer. Platz ist halt doch in der kleinsten Hütte.

In der Schule war ich gar nicht schlecht in Spanisch, hatte ich doch die besten Voraussetzungen in meinem Umfeld zum Lernen. Leider tappte ich in die Falle in die viele junge Erwachsene tappen – ich genoß die neue Freiheit mit der eigenen Wohnung sehr. Auch wenn es die Ausnahmen waren, ich verschlief schon mal einen Unterrichtstag und ich erinnere mich auch daran eine Schulaufgabe halb betrunken geschrieben zu haben. Ich war faul, ich war frei, ich war jung, ich war in Partylaune. In Spanisch bin ich nicht über die 3 hinaus gekommen, trotz spanischer Mitbewohner. Ich schloss die Ausbildung mit guten bis befriedigenden Noten ab.

Bamberg … das war für mich eine wichtige wie nötige Erfahrung. Ich hatte zwei Jahre lang meine Sturm und Drang Zeit. Ich bin erwachsen geworden. Ich konnte mich austoben, Verantwortung übernehmen, groß werden. Ich möchte keinen Tag davon missen.

Heute beschränkt sich mein Spanisch auf das Allereinfachste. Ich habe mir oft vorgenommen wieder damit anzufangen… es ist 12 Jahre her. Schade drum. Aber im Moment hat die Sprache einfach keine Priorität für mich. Es ist eher eine tolle und lebendige Erinnerung. Und die im Dornröscheschlaf verweilende Sprache wecke ich vielleicht eines Tages wieder auf – wenn die Zeit dazu kommt.


Dies ist mein Beitrag zu Travel the World im April. Die monatlich stattfindende Blogparade hat Jessica von Sternentraum Mädchen ins Leben gerufen. Alle Infos dazu findet ihr hier: >>klick<<

 

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4 Comments

Deine spanische Sturm und Drang-Zeit hört sich megalustig, aber auch megaanstrengend an!!! So eine Mulit-Kulti WG ist schon super. Aber die erste eigene Wohnung… die liebt man danach 🙂

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[…] zu guter Letzt möchten wir Alicja, die hier von ihren “Spanisch-Erlebnissen” der anderen Art – nämlich in Bamberg – berichtet, ermuntern ihre Spanischkenntnisse wieder […]

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[…] Freitag ging ich zum ersten mal hin. Meine Zeit in Bamberg begann (ich habe diese Zeit bereits bei Travel the world: Spanien verarbeitet) und dauerte 2 […]

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[…] habe 2 Jahre in einer WG gelebt. Es war toll und turbulent und stressig. Eine Zeit, die ich nicht missen […]

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